Handgefertigte Tapeten aus Schöneberg : Wände, die in den Bann ziehen

Ulrich Welter erschafft Tapeten von Weltrang. Doch das Wort "Tapete" wird dem, was in seiner Manufaktur in Schöneberg entsteht, nicht gerecht: Einzigartiger Wandschmuck entsteht dort. In Handarbeit.

Sabine Hölper
Inhaber der "Manufaktur für Wandunikate": Ulrich Welter
Inhaber der "Manufaktur für Wandunikate": Ulrich WelterFoto: Mike Wolff

In der Cocktail-Abteilung im runderneuerten P&C Weltstadthaus am Tauentzien, die nicht deshalb so heißt, weil hier hochprozentige Mix-Getränke serviert werden, sondern weil es hier Abendmode, also auch sogenannte Cocktail-Kleider gibt, ist nicht ganz klar, wer eigentlich wem die Schau stiehlt. Sind die Kleider das Schönste und Schillerndste auf dieser Fläche im dritten Stock? Oder sind es doch die Wände hinter den Kleiderständern, die man schon von Weitem glitzern sieht? Aber wahrscheinlich fragt so ohnehin nur ein Banause. Ulrich Welter würde wahrscheinlich sagen, dass die Wände mit den Kleidern harmonieren. Dass sie ihnen einen würdigen Rahmen geben.

Ulrich Welter hat diese golden funkelnden Wandbilder geschaffen. Es ist eines der aktuellsten von 400 bis 500 Projekten im Jahr. In den 30 Jahren, in denen die Manufaktur für Wandunikate in Schöneberg jetzt schon existiert, ist da einiges zusammengekommen.

Welter sitzt in seinem Büro im Gewerbehof Bülowbogen, das gleichzeitig Showroom ist. In der Werkstatt, einen Hinterhof weiter, kann man ja leider nicht sehen, was genau Welter fabriziert. Auf den langen Tischen dort liegen ein paar Muster herum, Verschnitte. Sie erzeugen aber nicht mehr als eine vage Ahnung. Man muss die Wandunikate an der Wand sehen, erst dann entfalten sie ihre Wirkung. Deshalb hat der 53-Jährige vor zwei Jahren den Showroom eröffnet, ein paar Schritte nur vom Atelier entfernt. Seither kann er (potenzielle) Kunden hier herein bitten. Er kann ihnen einen Kaffee anbieten, kann ihnen dies und das erzählen. Aber genauso gut kann er das bleiben lassen. Es reicht, wenn er die Wände sprechen lässt, diese teils in Graublau gehaltenen, teils mit Ornamenten verzierten Kunstwerke. Sie ziehen den Betrachter in ihren Bann. "Ja", sagt Welter, "die Leute tauchen hier ein." Ja, staunt der Purist, der weiß getünchte Altbauwände immer für das Nonplusultra hielt. So also können Räume auch aussehen. [...]

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