Luxus-Hausboote made in Oranienburg : Winter- und partytauglich herumschippern

Revolutionär seien die "Rev Houses" verspricht Hausboot-Macher Lars Voigt. Etwas Kleingeld braucht man aber schon dafür. Doch wer das hat, wird ein besonders hochwertiges Wohngefühl erleben, denn Voigt lässt nach dem Hausstandard bauen - deshalb steht auch großen Partys nichts im Wege.

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Lars Voigt vor einem seiner "Rev Houses"
Lars Voigt vor einem seiner "Rev Houses"Foto: DAVIDS Sven Darmer

Ruhig liegt das Boot auf der Havel, obwohl es draußen heftig stürmt an diesem Spätherbsttag. Drinnen ist es behaglich warm, dank Fußbodenheizung und offenem Kamin. Auf der Couchgarnitur sitzt es sich äußerst bequem, die offene Küche ist top ausgestattet – und von jedem Winkel des schwimmenden Penthauses, ob vom Bett aus oder aus der Dusche, überall bietet sich ein freier Blick raus aufs Wasser in die Natur.

Lars Voigt, Geschäftsführer von Rev House, weiß, was seine gut verdienenden Kunden schätzen. Die meisten kaufen sich eines seiner Boote, um es als Ferienwohnung zu nutzen. Ein zeitgemäßes Wohnmodell, wie Voigt findet: "Manche fahren damit nach Mallorca, und wenn es ihnen nicht mehr gefällt, bringen sie es eben nach Kroatien." Da man die schwimmenden Räume als Sportboot registrieren kann, braucht man nichts anderes als einen Liegeplatz in einem Yachthafen. "Unser Angebot ist attraktiv für alle Städte, in denen der Wohnraum teuer, aber viel Wasser vorhanden ist", sagt Voigt. Seit Kurzem liegt auch ein Musterboot von Rev House in London an der Themse.

Manchmal muss man sehr lange auf Reisen gehen, um eine gute Idee zu entwickeln. So war es zumindest bei Voigts Kumpel Stefan Hübbe. Der Diplom-Ingenieur arbeitete an einem größeren Bauprojekt in Melbourne, 2007 machte er sich zurück auf den Weg nach Europa: Mit seiner Segelyacht war Hübbe drei lange Jahre unterwegs und hatte Zeit, die Idee eines Hausbootes zu entwickeln, das dem Qualitätsstandard eines Gebäudes an Land entspricht, zugleich aber voll fahr- und manövrierfähig ist wie ein Sportboot. Zurück in Deutschland traf er sich – nach 16 Jahren Funkstille – mit seinem alten Freund Lars Voigt, der nach seiner Tischlerlehre jahrelang im Einrichtungsbereich gearbeitet hatte und viel Erfahrung in Sachen Design und Interieur mitbrachte. Sie bauten die ersten Prototypen und feilten am Konzept, mit dem Ziel, die Luxusboote zu fertigen und zu vertreiben. Gemeinsam gründeten sie schließlich 2011 Rev House – der Name steht für "Revolutionary Living Spaces". Inzwischen ist Hübbe wieder auf den Weltmeeren unterwegs und Voigt führt die Geschäfte allein. "Er ist eben ein Freigeist", sagt Voigt.

Nachfrage wächst europaweit

Die Maße der Boote sind immer gleich, 15 mal sechs Meter, der Grundriss sowie die Ausstattung hingegen variieren, je nach Kundenwunsch und Größe des Geldbeutels. Die preiswerteste Ausführung ohne Motor liegt bei 360.000 Euro, mit dem Mobilitätspaket, Möbeln und Einbauküche kostet ein Rev House rund 680.000 Euro. Es kann auch noch teurer werden, etwa wenn eine Solaranlage, ein Whirlpool oder eine Sauna dazukommen. Die Wohnfläche liegt bei rund 70 Quadratmetern, dazu kommt eine Dachterrasse mit einer Fläche von 100 Quadratmetern sowie ein ebenso großer Keller. Dort befinden sich ein 2000-Liter-Heiztank, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage sowie eine biologische Minikläranlage. Für den Fall, dass es am Liegeplatz mal keinen Strom geben sollte, ist auch noch ein Generator an Bord, sodass der Eigner in jedem Fall autark ist. "Wir bauen nach Hausstandard", sagt Voigt und betont dabei das Besondere, das seine Firma von Mitbewerbern unterscheidet.

Der Rumpf ist mit 15 Tonnen sehr schwer, normale Hausboote liegen bei acht Tonnen. Gefertigt werden die Rev Houses in Oranienburg. Dort beschäftigt Lars Voigt Ingenieure, die den Rumpf herstellen, alles andere wird von regionalen Handwerkern, die sonst im Hausbau arbeiten, erledigt. Wände, Decken und Böden sind stabil gebaut, sodass die schwimmenden Häuser auch wintertauglich sind und ein Zuladegewicht von zehn Tonnen aushalten, das entspricht rund 50 Personen – was sich wiederum im Sommer lohnt, wenn man zur Dachterrassenparty einladen möchte. Solche Veranstaltungen bietet Lars Voigt auf seinem Musterboot an der Havel regelmäßig an – in Kooperation mit Dom Perignon, schließlich kümmern sich beide um die gleiche Kundschaft. Damit verbindet er Kundenakquise und Marketing und verfügt über eine zusätzliche Einnahmequelle.

Wie viele Boote seine Firma mittlerweile verkauft hat, will Voigt nicht verraten, aber die Nachfrage wächst, inzwischen europaweit. Momentan werden zwei Rev Houses fertiggestellt, eines geht nach London, eines nach Zürich.

Dieses Stück erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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