Analyse : Löw, Bierhoff, Sammer, Zwanziger: Eine philosophische Einigung

Und der Zukunft zugewandt: Tagesspiegel-Sportchef Robert Ide analysiert die neue Machtverteilung beim DFB-Nachwuchs.

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Der vierte Mann: Matthias Sammer, einst Profi und Trainer, jetzt DFB-Funktionär. Foto: dpa
Der vierte Mann: Matthias Sammer, einst Profi und Trainer, jetzt DFB-Funktionär.Foto: dpa

Die heikelste Frage des deutschen Fußballs ist geklärt – Joachim Löw bleibt Bundestrainer. Die zweitheikelste Frage soll nächste Woche erledigt sein – Theo Zwanziger will bis dahin entscheiden, ob er als DFB-Präsident weitermacht. Die drittheikelste Frage hat sich in Wohlgefallen aufgelöst – Oliver Bierhoff darf weiter als Teammanager amtieren, und keiner hat mehr etwas dagegen. Und Frage Nummer vier? Sie ist angeblich gelöst, heikel bleibt sie dennoch. Denn der Streit, wer die wichtigste Nachwuchsmannschaft verantwortet, hat bisher den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gespalten. Neben Löw und Bierhoff fühlte sich der für den Nachwuchs verantwortliche DFB-Sportdirektor Matthias Sammer für die U-21-Auswahl zuständig – nun, nach einem Machtwort Zwanzigers, ist er es faktisch auch. Und auch wieder nicht.

Die Schnittstelle zwischen Jugendmannschaften und Nationalmannschaft ist im modernen Fußball entscheidend. Das hat sich gerade bei der WM in Südafrika gezeigt, als die junge Nationalmannschaft (Durchschnittsalter: 24,96 Jahre) begeisterte. Deutschland profitiert von einem stringenten Nachwuchskonzept, das einst Berti Vogts angeregt und schließlich Matthias Sammer federführend im DFB umgesetzt hat. Sammer, der mehrmals die Entscheidungsgewalt für die U 21 eingefordert hatte, hat diese nun bekommen. „Es ist positiv, dass die Kompetenzen jetzt klar geregelt sind und der Sportdirektor auch die administrative Verantwortung für die U21 trägt“, sagte Sammer dem Tagesspiegel. Er kann nun Einfluss auf Trainingsinhalte nehmen und Personalentscheidungen treffen.

Zwei Ausnahmen wurden allerdings öffentlich genannt: Die Trainerfrage und die Spielphilosophie sollen in Zukunft letztlich von Bundestrainer Löw bestimmt werden. Man könnte sie durchaus als die zentralen Fragen des Teams ansehen – zumal mit Rainer Adrion ein Vertrauter von Löw das Nachwuchsteam trainiert. „Der Chef unter den sportlichen Führern ist immer der Bundestrainer“, sagte Zwanziger erstmals in dieser Deutlichkeit. Sammer selbst sieht seine Macht damit keineswegs beschnitten – im Gegenteil. Er meint: „Die Spielphilosophie der U 21 ist eine Hausphilosophie des DFB, die gemeinsam mit Joachim Löw und seinem Team erarbeitet worden ist und natürlich auch gemeinsam weiterentwickelt wird.“

Eines immerhin hat sich vollends geklärt: Teammanager Oliver Bierhoff, der bislang auch in Löws Namen bei Nachwuchs-Länderspielen präsent war und der Sammer nicht gerade in gegenseitiger Freundschaft zugeneigt ist, wird sich künftig von der U 21 zurückziehen. Matthias Sammer jedenfalls wirkt beflügelt. Er will sich ab sofort auf die Vorbereitung des nächsten U-21-Spiels stürzen: Bereits in drei Wochen geht es auf Island um die EM-Qualifikation. Löw und Bierhoff werden dann in Dänemark sein – zum ersten Spiel der Nationalmannschaft nach der WM.

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