Kader für WM 2014 steht : Joachim Löw: "Wir haben große Ziele"

Der Bundestrainer hat den endgültigen Kader für die WM benannt. Er verzichtet in Brasilien auf Marcel Schmelzer, setzt mit Miroslav Klose auf nur einen Stürmer und bereitet noch die ein oder andere Überraschung.

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Bundestrainer Joachim Löw und der Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die WM in Brasilien: (oben von links nach rechts) Torwart Manuel Neuer, Torwart Roman Weidenfeller, Torwart Ron-Robert Zieler, Jerome Boateng, Philipp Lahm, Erik Durm, Kevin Großkreutz, Mats Hummels, Matthias Ginter, Benedikt Höwedes, Per Mertesacker, (Mitte von links nach rechts) Julian Draxler, Mario Götze, Toni Kroos, Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger, Christoph Kramer, (unten von links nach rechts) Sami Khedira, Mesut Özil, Lukas Podolski, Marco Reus, Andre Schürrle, Miroslav Klose
Bundestrainer Joachim Löw und der Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die WM in Brasilien: (oben von links nach...Foto: dpa

Bundestrainer Joachim Löw hat sich am Montag, nach dem 2:2 gegen Kamerun auf seinen endgültigen, 23-köpfigen Kader für die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien festgelegt. Marcel Schmelzer, Shkodran Mustafi und Kevin Volland wurden aus dem vorläufigen Aufgebot gestrichen.

Ist der Kader eine Überraschung?

Christoph Kramer kann sich auch an den kleinen Dingen erfreuen. Am Sonntagabend saß der Nationalspieler im Mönchengladbacher Borussia-Park auf der Ersatzbank, und trotzdem fand er Gefallen an dieser ungewohnten Perspektive. „Schön war es, es hat Spaß gemacht“, sagte Kramer nach dem Testspiel gegen Kamerun. „Normalerweise hätte ich ein paar Reihen darüber gesessen.“ Auf der Tribüne als normaler Zuschauer und gewöhnlicher Fan. Als Joachim Löw vor drei Wochen seinen vorläufigen 30er-Kader für die WM präsentierte, fehlte Kramers Name im Aufgebot des Bundestrainers; als Löw vor zwei Wochen mit der Nationalmannschaft ins Trainingslager nach Südtirol gereist ist, galt Kramer als erster Streichkandidat. Dass der Mönchengladbacher jetzt auch die letzte Hürde in Löws WM-Casting genommen hat, war schon keine Überraschung mehr. Durch die Verletzung von Lars Bender bestand in Kramers Ressort, dem defensiven Mittelfeld, erhöhter Personalbedarf.

Auch die anderen Entscheidungen des Bundestrainers sind, zumal nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit, nicht allzu überraschend. Löw geht in solchen Fällen am liebsten den Weg des geringsten Widerstandes. An die großen Namen traut er sich selten ran. Den angeschlagenen Häuptlingen Manuel Neuer, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger hat der Bundestrainer recht früh eine WM-Garantie ausgesprochen.

Ist Marcel Schmelzers Ausscheiden nicht ein großer Verlust?

Dass Marcel Schmelzer letztlich doch nicht mit nach Brasilien reist, hat auch etwas mit seinem Wert für die Mannschaft zu tun. Der Dortmunder hat sich vor zwei Wochen im Pokalfinale am Knie verletzt und konnte im Trainingslager nur ein eingeschränktes Programm absolvieren. Insofern ist der Verzicht auf Schmelzer aus medizinischen Gründen wohl zu vertreten. Allerdings steht Löw dadurch kein „geborener“ Linksfuß mehr für die Position links in der Viererkette zur Verfügung. Als mögliche Kandidaten für diesen Posten hat der Bundestrainer Schmelzers Vereinskollegen Erik Durm genannt, der am Sonntag gegen Kamerun zu seinem Länderspieldebüt kam, und Benedikt Höwedes vom FC Schalke 04.

Höwedes kann auch als rechter Außenverteidiger spielen, ist aber eigentlich in der Innenverteidigung zu Hause. Insgesamt stehen dem Bundestrainer fünf Bewerber – Jérôme Boateng, Per Mertesacker, Mats Hummels, Matthias Ginter und eben Höwedes – für zwei Plätze in der Innenverteidigung zur Verfügung.

Warum traf es Mustafi und Volland?

Auch wegen der starken Alternativen, die Löw in der Innenverteidigung hat, wird Shkodran Mustafi nicht mit nach Brasilien reisen. Dass er aussortiert würde, war allgemein erwartet worden. Der 22-Jährige spielt für den italienischen Erstligisten Sampdoria Genua und ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Ein Aufschrei der Öffentlichkeit – Mustafi muss mit nach Brasilien! – war daher von vornherein nicht zu erwarten. Auch dem Hoffenheimer Kevin Volland mangelte es letztlich an Lobby und Prominenz. Obwohl er in der abgelaufenen Saison zu den interessanteren Erscheinungen der Bundesliga zählte, ist der 21-Jährige noch nicht über den Status des Perspektivspielers hinausgekommen. Bei seinem Länderspieldebüt vor drei Wochen gegen Polen (0:0) konnte Volland seine Qualitäten in der Offensive (Dynamik und Torgefahr) nicht richtig nachweisen. Durch sein Ausscheiden steht mit Miroslav Klose nur noch ein echter Stürmer im deutschen Kader für Brasilien.

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