GERMANIA: Eine Geisteraustreibung : "Wir wollen sympathisch sein!"

Im Projekt "GERMANIA. Eine Geisteraustreibung" sollen die Gespenster der Vergangenheit vertrieben werden. Und zwar in einer beeindruckenden Kulisse.

Nathalie Junker
Taumel. Bei GERMANIA werden auch ohne WM die Fahnen geschwenkt. Foto:Team
Taumel. Bei GERMANIA werden auch ohne WM die Fahnen geschwenkt. Foto:Team

Nationalsozialismus, Adolf Hitler, Herrenrasse – eine kleine Auswahl von vielen, nur allzu gut bekannten Schlagworten aus unserer Geschichte, auf die es heutzutage meist zwei Reaktionen gibt: Die eine beläuft sich auf kopfschüttelnde Fassungslosigkeit über das, was in der Zeit des so genannten Dritten Reiches passierte. Die zweite wirkt eher übersättigt: "Och nö, bitte nicht schon wieder Hitler!"

Doch immer öfter spürt man einen neuen und weniger emotionalen Umgang mit dem Thema, der sich spielerisch gibt und weniger ernst daher kommt. Diesen Weg beschreitet auch das Projekt "GERMANIA. Eine Geisteraustreibung" in der Akademie der Künste am Pariser Platz, das im September Premiere haben wird. Dort, wo Albert Speer 1938 seine Dienststelle errichtete und die Räume der verdrängten Akademie als Ausstellungsort für sein Modell der Reichshauptstadt Germania nutzte, sollen im September die "Geister" eben dieser Vergangenheit vertrieben werden.

Dabei soll ein artifizieller Raum entstehen, der mit Momenten des Grotesken, der Parodie und der Revue spielt, ein Ort zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Fiktion und Realität.

Theater auf vier Etagen

Um dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen, arbeiten verschiedene Studiengänge aus unterschiedlichen Hochschulen zusammen. Dabei sind die Studenten der Studiengänge Regie, Bühnenbild, Gesang/Musiktheater, Musik, Schauspiel, Sound Studies sowie Veranstaltungstechnik und -management der UdK Berlin, der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", der Hochschule für Musik "Hanns Eisler", der Beuth Hochschule für Technik und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. "Die drei Teams erarbeiten unterschiedliche Szenen", erläutert Anna Bergel, künstlerische Mitarbeiterin im Studiengang Bühnenbild der UdK Berlin. "Sie werden unabhängig voneinander entwickelt, finden aber während der Vorstellung zum Teil gleichzeitig statt." Gespielt wird auf vier Etagen des gläsernen Kopfbaus der Akademie der Künste.

Nicht nur räumlich dehnt sich das Projekt aus, auch die künstlerischen Arbeitsweisen sind vielfältig. Performance, Installation und Intervention, Soundcollagen, Chorgesänge, Videoprojektionen und Blasmusik stehen nebeneinander oder werden in neuen Formationen zusammengesetzt.

Allen Teams gemeinsam ist die Beschäftigung mit der Geschichte des Gebäudes und die Suche nach einem neuartigen Zugang zu ihr. Obwohl die Themen schwer und komplex sind, soll eine gewisse Leichtigkeit keinesfalls verloren gehen. "Wir wollen sympathisch sein", erklärt Professor Hartmut Meyer, Leiter des Studiengangs Bühnenbild der UdK Berlin, verschmitzt.

Gruselmomente und absurde Szenarien wie herumrollende Glasaugen oder historische Akademiepräsidenten in einer Saunalandschaft stellen komplexe Themen in einen weniger ernsten Kontext und ermöglichen so einen anderen Zugang.

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