Architekturberatung : Der verwinkelte Traum

Sind die Dachbalken der Immobilie gut in Schuss? Wie viele Veränderungen verträgt das Haus? Welche Möbel passen in das schicke Loft? Architekturberater Schnörringer weiß Antworten.

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Klein, aber oho. Für jedes Bad findet sich eine Lösung. Es muss auch nicht gleich alles herausgerissen und neu gemacht werden.
Klein, aber oho. Für jedes Bad findet sich eine Lösung. Es muss auch nicht gleich alles herausgerissen und neu gemacht werden.Foto: promo

Die Finanzierung für das Häuschen steht - aber soll man es wirklich kaufen? Ist die Bausubstanz tatsächlich in Ordnung? Die Küche ist zu klein, das Bad ungünstig geschnitten, wie könnte man das ändern? Jürgen Schnörringer kennt solche Fragen - und sie zu beantworten, ist sein Job. Im Frühjahr hat er sich als Architekturberater in Berlin selbstständig gemacht.

Der 38-Jährige hat sein Architekturstudium in Karlsruhe und Delft absolviert und sich dann beruflich erstmal ausgiebig in der Welt ausprobiert. In Holland hat er gearbeitet, in Paris, in London. Um neue Gebäudeprojekte ging es da, aber eben auch um den Umbau vorhandener Immobilien. Von diesen typischen viktorianischen Häusern in England erzählt Schnörringer: „Wenn ein potentieller Käufer da hineinkommt, zuckt er erst mal zurück. Nischen und Simse, alles vollgestellt, wie soll man das selbst nutzen können?“ In solchen Fällen ginge es ums „Verschlanken“, findet der Experte.

Ein anderes Beispiel: Ein Ehepaar hatte sich in ein Haus verliebt, das sehr verwinkelt war. Der eigenwillige Grundriss war charmant, aber wie konnten die Räume möbliert werden? Sollte das ursprüngliche Wohnzimmer beibehalten werden oder ein anderer Raum dafür umgewidmet werden? Auch die Küche schien einfach zu klein. „Die Leute waren mit ihren Traumhaus überfordert“, konstatiert Schnörringer. Er half, indem er zum Beispiel die Küche mit dem Raum nebenan verband. So wurde sie größer, und die neuen Nutzer bekamen ein praktisches Esszimmer dazu.

Auch Bäder sind eine knifflige Angelegenheit. „Oft wünschen sich die Leute ein neues Bad, haben aber keine Vorstellung davon, was das kostet.“ Er prüft dann, ob und wie sich die Wünsche der Kunden mit ihrem Budget vereinbaren lassen. Nicht immer müsse alles herausgerissen und neu gemacht werden. Und oft lassen sich alte Materialen, etwa von einem ungeliebten Treppengeländer, noch anderswo im Haus nutzbringend verwenden.

Schnörringer betrachtet sich als Dienstleister, und da gilt vor allem: Der Kunde ist König. Aber nicht alle (innen-) architektonischen Wünsche machen Sinn. „Oft können sich die Menschen die spätere Wirkung einer Maßnahme nicht vorstellen“, sagt der Architekturberater. Kürzlich hatte ihn eine Dame in ihre Villa bestellt. Sie wollte die Wandteile zwischen den großen, zum Garten hin ausgerichteten Fenstern mit einer dunklen Farbe bemalen lassen. „Bloß nicht“, fand er. Dann säße sie später auf ihrem Sofa und hätte das Gefühl, auf dunkle Bretter zu schauen. Viel besser wäre es, zwischen den Fenstern helle Farben zu verstreichen und, wenn dunkle Farben gewünscht seien, lieber die hintere Wohnzimmerwand entsprechend zu gestalten.

"Oft können sich die Menschen die spätere Wirkung einer Maßnahme nicht vorstellen", sagt der Architekturberater Jürgen Schnörringer.
"Oft können sich die Menschen die spätere Wirkung einer Maßnahme nicht vorstellen", sagt der Architekturberater Jürgen...Foto: promo

Ein zweistündiges Beratungsgespräch helfe vielen schon, um sich Wandlungen in Wohnung oder Haus besser vorstellen zu können, glaubt Schnörringer. Und empfiehlt beim Kauf einer Immobilie möglichst weit in die Zukunft zu denken. Seine Eltern hatten das beim eigenen Wohnsitz einst versäumt. Nun lebe sein betagter Vater allein in einem Haus mit sieben Zimmern, bewohne aber praktisch nur zwei Räume. „Die restliche Wohnfläche ist irgendwie tot“, bedauert der Sohn und findet das „gruselig“. Hätte man besser geplant, wäre ein späterer Umbau des Hauses leicht möglich gewesen.

Jürgen Schnörringer ist von seinem Dienstleistungskonzept, für das er sich von einem Businesscoach beraten ließ, überzeugt. Aber, würde er im reichen Hamburg oder München nicht mehr Kunden finden? „Vielleicht“, überlegt der gebürtige Karlsruher. Doch es ginge ja nicht nur darum, wo man am meisten Geld verdienen könne.  „Ich wollte nach der Zeit im Ausland wieder nach Deutschland zurück“, sagt er. In einer dynamischen Großstadt mit viel kreativem Potential habe er sich niederlassen wollen und „da kam nur Berlin in Frage“.  

 

Kontakt: Jürgen Schnörringer, Telefon: 030/67518403, E-Mail: info@derarchitekturberater.de

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