Maarten De Ceulaer im Interview : Alles soll Seele haben

Er ist ein Wanderer zwischen der Welt der Kunst und der des Designs. Der Belgier Maarten De Ceulaer machte schnell Karriere, doch er musste auch gegen viele Widerstände kämpfen. Im Gespräch äußert er sich zu seinem raschen Erfolg, der Kritik und seinem Selbstverständnis als Designer.

Chris Meplon
Maarten De Ceulaer studierte Design an der Eidhoven Design Academy.
Maarten De Ceulaer studierte Design an der Eidhoven Design Academy.Foto: Pieke Schreuder

An seinem 25. Geburtstag wurde der belgische Designer Maarten De Ceulaer von der „New York Times“ zu einem der fünf Designtalente ausgerufen, auf die man in Zukunft achten müsse. Nun ist er 30 Jahre alt, und sein Werk reist rund um die Welt, von Mailand und Basel bis nach New York und Miami. Seine bekanntesten Entwürfe werden handwerklich hergestellt, Stück für Stück verarbeitet, sehr luxuriös.

Wie so viele seiner Generation, die an der angesehenen Eindhoven Design Academy ausgebildet wurden, flirtet er mit „Design Art“. Er beendete 2008 sein Studium in Eindhoven mit „Pile of Suitcases“, einem farbigen Kleiderschrank für moderne Stadtnomaden, der aus asymmetrisch gestapelten schicken Lederkoffern besteht. Das Stück wurde auf der Graduation Show der Akademie sofort von der Presse aufgenommen und anschließend von Trendguru Li Edelkoort, der damaligen Direktorin der Akademie für eine Ausstellung im Rahmen der „Art Object Rotterdam“ ausgewählt. Dort wurde der „Pile of Suitcases“ von Nina Yashar von der Galerie Nilufar in Mailand entdeckt. Im Auftrag von Nilufar durfte De Ceulaer nun – ausgehend vom Konzept der luxuriösen Lederkoffer – eine ganze Kollektion entwerfen.

Welchen Ihrer zahlreichen Entwürfe halten Sie für den besten?

Noch immer „Pile of Suitcases“, aber ich freue mich auch weiterhin über meine andere Abschlussarbeit – die „Nomad Light Molecule“. Ich würde gerne daran weiterarbeiten, aber die Hersteller fanden die Produktion zu teuer. Das Konzept ist das einer sogenannten Mutterlampe, von der man lose Lichtelemente abnehmen kann. Man kann sie dann für vier Stunden als Lese- oder Taschenlampe benutzen. Wenn sie leer sind, setzt man sie zum Aufladen wieder auf die Mutterlampe. Es ist eine poetische Variation der mobilen Lampen, die jetzt auf dem Markt sind – aber die haben alle ein hässliches Ladegerät.

Sie starteten als sehr junger Designer mit viel Presseunterstützung. Hatten Sie auch mit Problemen zu kämpfen?

Nach meinem schnellen Start begann ich frohen Mutes eine ganze Reihe von Projekten, die ich danach aber auf halber Strecke ruhen lassen musste. Ich ging die Dinge impulsiv an und folgte meinem Gefühl, aber der Druck, das gleiche hohe Niveau wie bei dem vorherigen Werk zu erreichen, kann sehr lähmend sein. Wenn man dann noch, wie ich, ein Chaot mit vielen Ideen ist, kann es sehr schwierig werden, Projekte ohne echte Deadline auch zu Ende zu bringen. Der Auftrag von Fendi für Design Miami 2012 sorgte plötzlich für Veränderung. Es gab eine scharfe Deadline und ich war natürlich verpflichtet, sehr schnell Knoten durchzuhacken.

Welches war der beste und nützlichste Rat, den Sie bekamen?

Befreundete Designer, die das Gleiche mitgemacht hatten, rieten mir, es ruhig angehen zu lassen. Man muss dem eigenen Gefühl folgen, aber sich selbst auch Zeit und Raum gönnen, um seine Projekte wachsen zu lassen. Design ist nicht wie Mode, man muss nicht permanent mit etwas Neuem herauskommen.

Das Sofa aus der „Mutation-Serie“ wurde auf einer Ausstellung in Dubai gezeigt.
Das Sofa aus der „Mutation-Serie“ wurde auf einer Ausstellung in Dubai gezeigt.Foto: Maarten De Ceulaer

Welche Kritik fanden Sie bis jetzt die ungerechteste? Was tat Ihnen weh?

Dass ich nur teure Produkte für reiche Sammler mache. Ich arbeite schließlich erst seit ein paar Jahren. Ich genieße es, Dinge zu machen, die sehr viel Zeit und Mühe kosten, ohne Kompromisse; dadurch bekommen sie am Ende wirklich eine Seele. Das heißt aber nicht, dass ich es nicht auch auf eine andere Art probieren will. Natürlich würde ich gerne einen Entwurf in hoher Auflage von einem guten Produzenten herstellen lassen. Aber dann unter der Bedingung, dass ich mein Gefühl einbringen kann, dass meine Idee auf eine qualitative und ökonomische Art und Weise produziert werden kann.

Was ist das Schönste und Größte, das ein Designer erreichen kann?

Dass Menschen wirklich glücklich werden, weil sie deine Dinge im Haus haben. Darum möchte ich Entwürfe mit einer Geschichte und einer Seele abliefern. Dinge, die vom alltäglichen abweichen, die Menschen träumen und die harte Realität einmal vergessen lassen.

Und welche Ambitionen haben Sie daneben noch für sich selbst?

Ich möchte mich selbst weiterentwickeln, mehr unterschiedliche Materialien und Techniken erforschen und mit neuen Handwerkern und Produzenten loslegen.

An wen denken Sie dabei?

Oh, das sind zu viele, um alle zu nennen. Ich habe kürzlich in Venedig einige große Glasstudios besucht. Und es war ein großartiges Erlebnis, den Glasmeistern mit mehr als 40 Jahren Berufserfahrung bei der Arbeit zuzusehen. Es reizt mich, mit ihnen etwas zu entwickeln.

Das Gespräch führte Chris Meplon. Aus dem Niederländischen von Rolf Brockschmidt

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