Anlagetipps : Sicher sparen gegen Inflation

Die Angst vor der Inflation geht um. Noch versteckt es sich gut. Wie Anleger ihr Depot schon jetzt gegen Geldwertverfall absichern können.

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Wertloses Spielgeld. Als der Wert der Mark während der Hyperinflation Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verfiel, spielten Kinder mit den Scheinen. Foto: AKG
Wertloses Spielgeld. Als der Wert der Mark während der Hyperinflation Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verfiel,...

Kaum ein Ökonom zweifelt daran: Die gigantischen Schuldenberge, die Regierungen in der Finanzkrise rund um den Globus aufgetürmt haben, werden früher oder später zu einem Anstieg des Preisniveaus führen. Eiserne Haushaltsdisziplin dürfte nicht ausreichen, um die Defizite auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Und der Vertrauensvorschuss, den die Notenbanken trotz der von ihnen ausgelösten Geldschwemme noch genießen, wird aufgebraucht sein, wenn weitere Euro-Länder wanken. Die Versuchung für die Regierungen wächst, das Schuldenproblem mit einer moderaten Entwertung des Geldes quasi automatisch zu lösen. Doch was ist moderat? Wird die von der Europäischen Zentralbank (EZB) tolerierte Grenze von zwei Prozent halten?

Die Angst vor der Inflation – das Schreckgespenst aller Sparer und Anleger – geht um. Noch versteckt es sich gut. Die Verbraucherpreise sind 2009 nur um 0,4 Prozent gestiegen. Doch in den Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute für 2010 und 2011 weist die Inflationskurve nach oben. Für die Zeit danach mag niemand seine Hand ins Feuer legen. „Wir müssen auf der Hut sein“, warnte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel dieser Tage. 54 Prozent der Deutschen teilen die Angst vor der Inflation, wie das am Mittwoch veröffentlichte „Sorgenbarometer“ des Magazins „Stern“ ergab. Um unnötige Vermögensverluste zu vermeiden, sollten Anleger und Sparer wissen, wie sie ihr Depot gegen den Geldwertverfall absichern können.

INDEXIERTE ANLEIHEN

Ein noch junges Anlageinstrument sind inflationsindexierte Anleihen, auch Linker genannt. Sie sind etwas niedriger als herkömmliche Staatsanleihen verzinst, bieten dafür aber einen Schutz, weil die Zinsen oder der Rückzahlungsbetrag an die Inflationsrate gekoppelt sind. Indexierte Anleihen gibt es in vielen Ländern. Doch Vorsicht: Die Erwartung einer galoppierenden Inflation wird an den Märkten derzeit nicht geteilt, weil die Weltkonjunktur sich wohl nicht so dynamisch erholen wird wie noch vor Kurzem erwartet. Die Folge: Inflationsgeschützte US- Staatsanleihen haben zuletzt stark an wert verloren. Für Anleger, die fest mit einem starken Anstieg des allgemeinen Preisniveaus in der Zukunft rechnen, könnten das Einstiegskurse sein.

GOLD UND ROHSTOFFE

In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Goldpreis (in Euro gerechnet) mehr als verdreifacht. Ein Zeichen für das wachsende Bedürfnis der Anleger nach Sicherheit. Doch der krisenfeste Klassiker ist im Wert so stark gestiegen, dass ähnliche Preissprünge künftig wenig wahrscheinlich erscheinen. Viele Experten raten dennoch zu einer Beimischung ins Depot (von bis zu 20 Prozent). Gold in physischer Form muss allerdings gelagert werden. Das kostet Gebühren. Als Alternative bieten sich Zertifikate, Goldfonds oder börsengehandelte ETFs (Exchange Traded Funds) auf Indizes oder Rohstoffunternehmen an. Zuletzt sind die Notierungen hier deutlich gesunken. Das gilt auch für andere Rohstoffe wie Öl, Kupfer, Zink oder Agrarrohstoffe, die in der Vergangenheit enorme Preisanstiege verzeichneten. Als Inflationsschutz eignen sie sich nur bedingt, weil sie teilweise Auslöser von Preisschüben sind. Außerdem sind Rohstoff-Derivate zu beliebten Spekulationsobjekten professioneller Großanleger geworden. Anleger, die sich ein Bild von den Rohstoffmärkten machen wollen, greifen zu börsengehandelten Exchange Traded Commodities (ETC).

AKTIEN

Beteiligt man sich als Aktionär an einem Unternehmen, investiert man in Sachwerte. Das kann vor Inflation schützen – solange die Kurse nicht wegen anderer Einflussfaktoren (Unsicherheit, steigende Zinsen, Bewertungsabschläge) unter Druck geraten. Was viele Anleger unterschätzen: Trotz schwacher Kurse können sich Aktien solider Unternehmen langfristig lohnen, weil regelmäßig Dividenden ausgeschüttet werden und diese einen guten Teil des Gesamtertrags ausmachen. Die Verunsicherung an den Aktienmärkten ist aktuell aber sehr groß. Risikobereite Optimisten können sich über gesunkene Einstiegskurse freuen, vorsichtige Skeptiker gehen eher in die Defensive. Zwar sei der Aktienmarkt wegen der Schuldenkrise kurzfristig weiterhin „anfällig für Rückschläge“, glaubt etwa die DZ Bank. Langfristig seien aber Kursanstiege wahrscheinlich. „Die konjunkturelle Entwicklung verbessert sich, die Unternehmensgewinne steigen, die Bewertung ist attraktiv.“ Nach den kräftigen Kursverlusten sind auch eine Reihe von Bonus- und Discountzertifikaten deutlich attraktiver geworden – wenn man als Anleger von stagnierenden oder leicht fallenden Kursen ausgeht. Wie immer bei Aktien gilt: Verluste abfangen, indem Stopp-Loss-Kurse gesetzt werden, bei denen automatisch verkauft wird.

IMMOBILIEN

Sogenanntes Betongold schützt bestenfalls zweifach vor der Teuerung. Stimmen Lage, Ausstattung und Finanzierung profitiert der Anleger von Wertsteigerungen, die oberhalb der Inflationsrate liegen. Außerdem sinkt bei Inflation die Schuldenlast, wenn die Wohnung oder das Haus über einen Kredit finanziert wurde. Historisch niedrige Baugeldzinsen machen viele Finanzierungen aktuell attraktiv. Doch Vorsicht ist auch hier angebracht: Stimmt die Lage des Objekts nicht, drohen Wertverluste. Bei Gewerbeimmobilien sehen Experten vor allem in den USA eine zweite Immobilienblase platzen.

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