Verbraucher : "Auch billige Produkte müssen sicher sein"

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Frau Maurer, wie gefährlich sind Billigprodukte?

Nicht alle Billigprodukte sind gefährlich. Aber der Verbraucher sollte genau hinschauen, wenn er ein vermeintliches Schnäppchen macht. Über das europäische Schnellwarnsystem Rapex für gefährliche Verbraucherprodukte werden bestimmte Warengruppen immer wieder genannt. Es fällt auf, dass billiges Spielzeug und Elektroartikel aus China ganz besonders oft als gefährlich gemeldet werden.

Wie kann es sein, dass trotz aller Sicherheitsbestimmungen ein Produkt, das in Deutschland verkauft wird, nicht sicher ist?

Bei den Produkten, die in Deutschland hergestellt werden, werden die strengen Sicherheitsanforderungen und Normen meist beachtet. Bei vielen Importwaren, beispielsweise aus Fernost, werden häufig die in Deutschland geltenden Bestimmungen nicht eingehalten und können somit ein Risiko für Verbraucher darstellen. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Produktsicherheit und Produktionsbedingungen. Die Missachtung von Sozialstandards, wie zum Beispiel bei einigen Herstellern in Fernost, geht einher mit einer schlechten Produktqualität.

Wie kann man verhindern, dass gefährliche Produkte in den Handel gelangen?

Das ist sehr schwer zu verhindern, wenn man bedenkt, wie viele Waren Jahr für Jahr in die Europäische Union eingeführt werden. Sind die gefährlichen Produkte erst einmal im europäischen Binnenmarkt angekommen, dann können sie frei gehandelt werden. Daher brauchen wir bei den Kontrollen an den Außengrenzen des EU-Binnenmarkts dringend Verbesserungen. Im Hamburger Hafen wurden beispielsweise im vergangenen Jahr mehr als acht Millionen Container umgeschlagen. Eine flächendeckende Kontrolle kann mit den derzeit vorhandenen Kapazitäten aber nicht sichergestellt werden. Auch die Marktaufsichtsbehörden, die für eine Kontrolle gefährlicher Produkte zuständig sind, müssen besser ausgestattet werden.

Sind die Verbraucher mit schuld, weil sie gerne billige Produkte kaufen?

Bei den Anforderungen an die Sicherheit macht das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz keinen Unterschied zwischen billigen und teuren Produkten. Alle Produkte, die in den Handel kommen, müssen laut Gesetz sicher sein. Darauf sollten sich Verbraucher auch verlassen können, denn sie können ja nicht von außen in Produkte reinschauen. Das Interview führte Yasmin El-Sharif

Sylvia C. Maurer

ist seit März vergangenen Jahres Referentin für Produktsicherheit und Produktkennzeichnung beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) in

Berlin

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