Verbraucher : Auch die Apotheken machen mit

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Stellen Sie sich vor: Sie kaufen in der Apotheke eine Packung Tee zur Entspannung, eine größere Menge Hustenbonbons und Heilbäder, um eine Grippe auszukurieren. Dazu überreicht Ihnen der Apotheker zwei Silbertaler und mit diesen bekommen Sie bei McDonalds einen kalorienreichen Muffin. Alles Fiktion? Nein. Denn auch die Apotheken, die sich früher in vornehmer Zurückhaltung geübt haben, werben jetzt offensiv um Kunden.

Fast alle Apotheken geben Kundenkarten aus, die den Besitzern einen Preisnachlass von drei Prozent einräumen. Doch damit nicht genug: Für die silbernen Taler aus der BerolinaApotheke in Berlin-Zehlendorf erhält man außer Muffins auch Staubsaugertüten, Schirme oder ein Maniküreset. Pro 10 Euro, die der Kunde im Selbstbedienungsbereich für Kosmetika, Seife oder Vitamine ausgibt, bekommt er einen Taler – für Medikamente gilt das Angebot jedoch nicht.

Die Neptun-Apotheke in Berlin-Mitte hat eine Happy-Hour eingeführt - zu bestimmten Zeiten gibt es zehn Prozent Rabatt auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Dörte Elß, Gesundheitsexpertin von der Verbraucherzentrale Berlin stuft die Rabattprogramme der Apotheken als „konsequent“ ein. Da seit Januar Versandapotheken in Deutschland zugelassen sind, seien die Programme ein „gutes Mittel für die Apotheke an der Ecke“, um mit den Versendern konkurrieren zu können.

Die Bundesvereinigung der Apothekerverbände hält die Rabattprogramme grundsätzlich für „unbedenklich“, sagt Sprecherin Ursula Sellerberg. Zumindest solange sich die Programme nur auf Tees, Kosmetika oder Bonbons bezögen. Bei Medikamenten „sehen wir das aber sehr kritisch“, so Sellerberg.

Für die Kunden hat die Entwicklung jedoch Vorteile: Sie profitieren vom verschärften Konkurrenzdruck der Apotheken. Und die silbernen Taler aus der Berolina-Apotheke sind auch als Pfandmünze für den Einkaufswagen im Supermarkt einsetzbar. ny

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