Verbraucher : Backen, zwo, drei, vier!

Oliver Trenkamp

DAS TESTURTEIL: 4 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Familien mit Freude am Backen sind toll. Zu jedem Anlass gibt es Kuchen. Schaut man nur kurz vorbei, sitzt man ruckzuck vor einem großen Stück gedecktem Apfelkuchen. Die Rückgabe eines geliehenen Buches reicht da schon für 700 Kalorien plus Sahne. Meine Freundin kommt aus so einer Familie. Mindestens einmal in der Woche gibt es deswegen Butterkuchen, Sahnetorte oder Gugelhupf – Tendenz steigend. Die Gespräche bei Familienbesuchen drehen sich um die hohe Kunst des Quark-Öl-Teigs, um die Qualitätsunterschiede bei Frisch- und Trockenhefe und um Backöfen, die ihre Temperatur nicht halten. Doch es gibt Geheimnisse, die nicht erklärbar sind, und Handgriffe, die ich mir nicht merken kann. Wie lange muss der Teig auf die Heizung? Wann ganze Eier nehmen und wann nur Eigelb? Bis heute ist mir kein vernünftiger Kuchen gelungen.

In den Augen meiner Freundin gibt es fast nichts Schlimmeres als schlechte Backwaren. So mancher wunderschöne Sonntagsspaziergang entlang gefrorener Seen und Schnee bedeckter Felder fand schon sein unromantisches Ende, weil Obstkuchen zu glibberig, Streuselkuchen zu trocken oder Schokotorte zu langweilig war. Bei mir ist sie da etwas großzügiger: Wenn ich versuche, für sie etwas Kuchenähnliches zu zaubern, dann betrachtet sie den schwarzen Kuchenboden, lächelt gütig und fragt ganz vorsichtig, ob ich ans Einfetten gedacht habe.

Für Menschen wie mich hat Dr. Oetker den Fertigkuchenteig erfunden. Warum er „One, Two, Bake“ heißt, ist nicht ganz klar. Weil ich backtechnisch nicht bis drei zählen kann? Oder weil ich das Produkt erst im eins, zwei, drei, vierten Supermarkt gefunden habe? Egal. Es geht jedenfalls ganz einfach: Ohne Hefe, ohne Heizung, ohne Rühren. Nur die Packung aufreißen und die Pappform samt Teig in den 180 Grad heißen Ofen schieben. Nach einer Viertelstunde der Länge nach einschneiden – keine Ahnung, warum. Die Wohnung riecht lecker, fast so als würde meine Freundin backen. Noch eine halbe Stunde warten und fertig sind der „Schokino-Nusskuchen“ und der „Schokokuchen“ für je 2,99 Euro. Die Einfachheit ist unschlagbar! Beide Kuchen richte ich auf dem Küchentisch an und warte auf die Testesserin. Sie sieht meinen hoffnungsfrohen Blick, betrachtet den Kuchen und lässt sich zu ein paar Probebissen herab. So stelle ich mir Bocuse bei McDonalds vor. Der Schokokuchen fällt durch: Zu künstlich fluffig. Die Nussvariante: „Ach, das soll Nuss sein? Sonst ganz Ok.“ Mit hängendem Kopf nehme ich tags darauf die Kuchen mit zur Arbeit. Kaufen? Für die Kollegen ja, für die Familie nicht.

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