Espressomaschinen : Italiener für zu Hause

Ob Kapsel oder Bohne - fast alle Maschinen brühen guten Espresso. Doch bei den Preisen gibt es große Unterschiede.

Lisa Wandt
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Espressomaschinen. Kaffee auf Knopfdruck -Foto: Mike Wolff

Wer hip sein will, schlürft seinen Kaffee im Gehen. Und zahlt locker drei Euro pro Cappuccino. Weil der tägliche Genuss ziemlich ins Geld gehen kann, holen sich immer mehr Deutsche den Kaffee auf Knopfdruck nach Hause. Rund 40 Prozent trinken ihn am liebsten dort oder bei der Arbeit (41 Prozent). „Espressomaschinen sind wie schon 2006 klarer Treiber für das Weihnachtsgeschäft im Elektrohandel“, sagt Steffen Kahnt vom Bundesverband Technik des Einzelhandels.

17 der Geräte hat die Stiftung Warentest nun vor allem auf Geschmack und Bedienung geprüft. Elf davon brühen mit Bohnen, sechs mit Kapseln. Das Ergebnis: Sieben Geräte schnitten mit „gut“ ab, eines mit „ausreichend“, der Rest war Mittelmaß. Der beste Espresso kommt aus der Kapsel der De’Longhi Nespresso – und das ist neu; bislang landeten in den Tests immer Vollautomaten oder Siebträgermaschinen, die Klassiker vom Italiener, an der Spitze. Trotz Kapsel brüht der Testsieger als Einziger einen „sehr guten“ Espresso mit haselnussbrauner Crema. Der Nachteil: Die Maschine hat keine Dampfdüse für Milchschaum – im Gegensatz zum zweitbesten Kapselgerät, der Lavazza Blue.

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Grafik: Tsp

Cremig wie beim Italiener gelingen die Espressi aber sonst überwiegend mit frisch gemahlenen Bohnen aus den Vollautomaten. Spitzenreiter ist hier die 1190 Euro teure Jura Impressa J5. Deutlich günstiger und laut Test kaum schlechter sind die Jura Impressa C5 für 800 Euro und die Maschine von AEG (600 Euro). Die Vollautomaten überzeugten die Tester zudem durch ihre Vielseitigkeit: Ob kleine oder große Tasse, mild oder stark, mit Milchschaum oder ohne – Modelle wie die Saeco Primea oder die De’Longhi Magnifica brühen auf Knopfdruck die je bevorzugte Mischung. Lästig ist allerdings die Reinigung, besonders das regelmäßige Entkalken. Das kann bis zu 160 Minuten dauern (Saeco Odea).

 Ein weiterer Nachteil der Vollautomaten ist der oft hohe Preis. Die Testobjekte kosten zwischen 400 und 1200 Euro, die Kapselmaschine von Tchibo gibt es hingegen schon für 99 Euro. Außerdem müssen Menschen mit einer Nickelallergie bei drei Vollautomaten aufpassen: Die Geräte von Krups und Siemens (baugleich mit der von Bosch) sprühen Nickel aus dem Dampfrohr – trotz eines Filters, der auch Schwermetalle aussieben soll.

Schlusslicht ist aber ein Kapselgerät: die Krups Nescafé. Hier warnen die Tester vor Verbrühungsgefahr, außerdem schmecke der Espresso wässrig und malzig. Nicht überzeugend im Geschmack sind auch die Espressi aus der Gaggia sowie der baugleichen Geräte Tchibo und Severin („leicht verbrannt, metallisch“).

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Grafik: Tsp

Was also kaufen, Kapsel oder Bohne? Brigitte Kluth-Kosnik von der Stiftung Warentest rät, die Wahl nach der Menge des Kaffeegenusses zu treffen. „Wer nur gelegentlich einen Espresso trinkt, für den lohnt sich die Kapsel“, sagt sie. Vieltrinker sollten sich eher einen Vollautomaten zulegen. Denn Kapselgeräte sind zwar günstiger beim Kauf, aber teurer beim Espresso. Viele Hersteller binden den Kunden über die Kapseln an sich. Für die De’Longhi muss man bei Nespresso einkaufen; auch Lavazza Blue und Krups Nescafé funktionieren nicht mit günstigeren Alternativen. Zudem ist Nachschub manchmal nur via Internet zu bestellen. Besonders exklusiv gibt sich der Nespressoclub – Kapseln gibt es nur für Mitglieder.

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