Fahrradschlösser im Test : Sicher gestellt

Spiralkabel sind lang und leicht, aber taugen nichts. Egal, welcher Typ – jedes Modell hat seine Macken. Doch Bügelschlösser sind am robustesten.

Yasmin El-Sharif
Fahrradschlösser
Gut gesichert fährt länger: Welche Fahrradschlösser widerstehen dreisten Fingern? -Foto: ddp

Vor dem Schwimmbad, der Kneipe oder auf dem Schulparkplatz – täglich werden Dutzende von Fahrrädern geklaut. Rund 18 800 waren es im vergangenen Jahr allein in Berlin.

Wer sein Fahrrad mit einem Schloss vor einem Diebstahl schützen will, kann zwischen vielen Modellen wählen. Das Problem dabei ist, dass kaum ein Schloss auf den ersten Blick verrät, wie sicher es eigentlich ist: So entpuppt sich vielleicht ein robust aussehendes Schloss im Nachhinein als besonders leicht zu knacken.

Dass das tatsächlich oft vorkommt, hat die Stiftung Warentest in einem aktuellen Test gezeigt. Von 30 geprüften Modellen, darunter Bügel-, Panzer- und Spiralkabelschlösser sowie einige ausgefallene Typen (siehe Tabelle), fielen zwölf durch. Nur zehn Modelle erhielten das Gesamturteil „gut“.

 Die Schlösser mussten einiges aushalten, denn die „Test-Diebe“ verwendeten Sägen und auch Hämmer, um die Räder von ihnen zu befreien. Dafür hatten sie aber nur drei Minuten Zeit. Mehr Zeit geben sich nach Erkenntnissen der Polizei auch Diebe nicht, um ein Schloss zu knacken. Dauert es länger, brechen sie den Versuch ab.

Grundsätzlich raten die Tester: Ob Zaunpfosten oder Schildermast – das Fahrradschloss sollte groß genug sein, um ein Laufrad und Rahmen mit dem festen Gegenstand umschließen zu können. Das erfordert aber Kompromisse, wie das Testergebnis zeigt. So ermöglichen es Spiralkabelschlösser mit ihrer großen Innenlänge zwar fast immer, das Rad an einen festen Gegenstand zu binden; die Spiralkabel lassen sich mit schwerem Handwerkszeug aber auch leicht durchsägen. Im Test fielen sie alle durch. Panzerkabelschlösser sind laut Stiftung Warentest eine Alternative. Schon der Name verspricht Widerstand gegen Langfinger. Zwei der verstärkten Kabelschlösser im Test (Abus Steel-O-Flex 950/100, Trelock KS 630) sind nach Erkenntnissen der Tester gegen ein Aufbrechen „sehr gut“ oder „gut“ gesichert. In vielen Fällen täuscht der Plastiküberzug aber eine Seilstärke vor, die das dünne Drahtseil im Kern bei weitem unterschreitet.

Am besten schnitten Bügelschlösser ab. Sechs von ihnen bewerteten die Tester als „gut“, zwei als „befriedigend“. Insgesamt sperrten sie sich alle erfolgreich gegen Kneifen, Schneiden und Sägen per Hand. Bis auf eine Ausnahme (Rexcraft) ließen sich die Schließzylinder weder mit speziellen Entsperrwerkzeugen noch mit einfachen Methoden in drei Minuten öffnen. Ihr Nachteil: Die Innenlänge der Bügel ist oft zu kurz und zu schmal, um das Rad sicher an eine Laterne oder einen Baum anschließen zu können.

Auch das Zwei-Bügel-Schloss Master Lock und das Faltbügelschloss Abus Bordo überzeugten die Tester in der Sicherheitsprüfung. Das Kettenschloss Abus Steel-O-Chain schnitt ebenfalls gut ab. Hier bemängeln die Tester nur, dass die Kettenglieder beim Fahren klirren. Die Einsteckkette RL 100 für das Rahmenschloss Axa Defender RL – eine Kombination aus Rahmen- und Kettenschloss – hat ein größeres Problem: Das Stück am Rahmen überstand die Aufbruchversuche „gut“, aber die Kette zum Anschließen versagte. Ähnlich enttäuschend waren die Erfahrungen beim Kabelschloss zum Falten: Die Gelenke sind stabil, aber die Seilstücke sind nicht sicher genug. Klares Urteil in beiden Fällen: „mangelhaft“.

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