Verbraucher : Gemeinsam aufs Parkett

Parallel zur Entwicklung an der Börse geht es auch mit den Investmentclubs wieder aufwärts

Corinna Nohn

Mit der Erholung der Aktienmärkte nimmt auch das Interesse von Privatanlegern an Aktien wieder zu. Nicht jeder hat aber Zeit und Lust, sich alleine aufs Börsenparkett zu wagen. Deshalb sind Investmentclubs bei privaten Anlegern wieder beliebt. Hier zahlen Gleichgesinnte Beiträge in eine gemeinsame Kasse und kaufen davon Aktien oder Wertpapiere und teilen die anfallenden Gewinne. So streuen sie nicht nur das Risiko, sondern können vom Wissen der anderen profitieren und bereits mit relativ geringen Beiträgen ausprobieren, welche Chancen im Börsengeschäft liegen.

Parallel zur Erholung am Aktienmarkt in den vergangenen Monaten erleben diese Treffs für private Finanzspekulaten ein Comeback. „Seit Mitte letzten Jahres gibt es wieder mehr Anfragen, was Neugründungen oder Beitritte betrifft“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch die Berliner Investmentclubs verzeichnen zunehmendes Interesse, nachdem es im vergangenen Jahr an der Börse wieder aufwärts ging.

Um auf die Launen des Aktienmarkts besser reagieren zu können, haben die Clubs zum Teil ihre Methoden geändert. So hat der Hexensabbatclub eine rigorose Stop-Loss-Strategie eingeführt. „Direkt beim Zukauf von neuen Papieren legen wir jetzt gemeinsam fest, wie weit wir ins Minus mitgehen wollen“, erklärt die Geschäftsführerin des Frauenclubs, Henrike von Platen. Auch wenn der DSW bei den Clubs eher eine Tendenz zu langfristigen und weniger spekulativen Anlagen feststellt, verzichtet etwa die 31 Mitglieder zählende Hexensabbat-Truppe keineswegs auf spekulative Papiere. „Wir legen in Aktien aller Richtungen und Risikoklassen an“, sagt von Platen. Damit scheinen die Damen nun wieder Erfolg zu haben – im vergangenen Jahr verzeichnete ihr Depot eine Rendite von 14 Prozent. Beitrittsvoraussetzung bei den Hexen ist eine einmalige Anlage von 300 Euro und monatliche Beiträge von mindestens 30 Euro.

Der Aktienclub Berlin wiederum ist nach eigenen Angaben mit rund 140 Mitgliedern der größte in Ostdeutschland. Mitglied kann man mit einer Einzahlung von mindestens 500 Euro werden, monatliche Nachzahlungen ab 50 Euro sind möglich. Zurzeit verwaltet der Aktienclub in seinen zwei Depots rund 320 000 Euro. Nachdem der Berliner Aktienclub im vergangenen Jahr über ein Ergebnis von minus 2,59 Prozent im konservativen und minus 6,56 Prozent im spekulativen Depot nicht hinauskam, befinden sich die Anlagen im laufenden Jahr wieder auf Wachstumskurs.

Mit steigenden Kursen kämen auch wieder mehr Interessierte auf der Club zu, „aber leider dürfen wir zurzeit nicht wachsen“, erklärt Andreas Horak. Denn sonst müsste der Club laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Finanzportfolioverwaltung einrichten, wofür eine besondere Erlaubnis der BaFin nötig wäre. „Die damit verbundenen Kosten übersteigen aber unsere Möglichkeiten – das lohnt sich erst ab einem Depotvolumen von drei Mllionen“, sagt Horak.

Weitere Investmentclubs in Berlin und anderen Städten werden unter anderem auf der Internetseite investmentclub-online.de gelistet, die die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger betreut. Wer selbst einen Club gründen will, sollte sich gründlich über die rechtlichen und steuerlichen Regelungen informieren (siehe Kasten). Fragen zur Steuerpflicht, zur Ein- und Austrittspraxis und zur Rechtsform (meist wird die Gesellschaft bürgerlichen Rechts gewählt) seien unbedingt vorab zu klären, rät Kurz vom DSW.

Mehr Informationen und Kontakte im Internet unter:

www.hexensabbatclub.de

www.investmentclub-online.de

www.aktienclub-berlin.de

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