Verbraucher : Geteilte Macht

Anleger vertrauen Fondsmanagern Milliarden an – Einfluss auf deutsche Firmen haben die Profis selten

Henrik Mortsiefer

Die Investmentfonds haben gut gepokert beim Börsengang der Postbank. Die Investoren, um deren Gunst und Geld Post-Chef Klaus Zumwinkel in den vergangenen Wochen gebuhlt hat, hielten ihr Kapital so lange zurück, bis Zumwinkel und die Banken den Preis für die neue Aktie senkten und die Zeichnungsfrist verlängerten. Am Ende konnten die Fonds die Postbank mit Rabatt für 28,50 Euro je Aktie in ihre Depots nehmen.

Der Postbank-Börsengang war nicht die einzige Gelegenheit, bei der die Kapitalsammler jüngst ihr Selbstbewusstsein demonstrierten. Auf der letzten Hauptversammlung von Daimler-Chrysler lasen namhafte Fondsmanager wie Klaus Kaldemorgen vom Marktführer DWS oder der Deka-Fondsmanager Michael Schneider Jürgen Schrempp wegen seiner missglückten Asienstrategie die Leviten.

Zeigen die Herren des Geldes jetzt, wer das Sagen hat in der deutschen Wirtschaft? Wie mächtig sind die Fonds, die in Deutschland zusammen fast eine Billion Euro verwalten, wirklich? „Die börsennotierten Gesellschaften müssen damit rechnen, dass die Fonds nicht nur Kritik üben, sondern auf den Hauptversammlungen auch entsprechend abstimmen werden“, sagt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BVI. Dabei ist das Engagement der Fondsmanager, deren Gehalt häufig an den Erfolg ihrer Investments gekoppelt ist, nicht selbstlos: Anleger, die nach mageren Börsenjahren wieder Rendite sehen wollen, ziehen ihr Geld schneller als früher ab, wenn die Performance „ihres“ Fonds enttäuscht. So büßten deutsche Aktien- und Geldmarktfonds allein im April rund 770 Millionen Euro ein. Sinkende Fondsvolumen bedeuten für die Fondsmanager wiederum, dass sie häufiger Aktien des einen Unternehmens verkaufen müssen, um neue Aktien eines anderen in ihr Portfolio aufnehmen zu können.

„Der Druck ist da“, bestätigt Deka-Fondsmanager Schneider. „Unsere Anleger fordern, dass wir aktiv werden, wenn bei einem Unternehmen etwas aus dem Ruder läuft.“ Doch der tatsächliche Einfluss der rund 70 in Deutschland zugelassenen Fonds auf Vorstandsentscheidungen und Unternehmensstrategien ist „sehr gering“, wie Schneider einräumt.

So liegt der Anteil der Fonds am Börsenwert aller deutschen Aktiengesellschaften bei nur 7,5 Prozent. In den USA, wo Pensionsfonds wie Calpers Anteile an allen großen Konzernen halten, ist er um ein Vielfaches höher. „Außerdem geraten deutsche Fonds, die wie die Deutsche-Bank-Tochter DWS als Ableger einer Bank operieren, häufig in Interessenkonflikte“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. So habe Klaus Kaldemorgen zwar Schrempp scharf kritisiert. Ob die DWS am Ende tatsächlich auch gegen dessen Entlastung gestimmt habe, sei indes offen. Der Grund: Die Deutsche Bank ist Großaktionär bei Daimler-Chrysler.

Doch es ist für Anleger nicht nur eine Frage des Vertrauens, ob Fondsmanager unabhängig entscheiden. Schon bei der Auswahl des Fonds kann man die Weichen stellen: So zeigen langfristig orientierte oder an Aktienindizes gekoppelte Fonds eher ein Interesse an Fragen der Unternehmensführung und -strategie als Wachstumsfonds, die schneller über Ein- und Ausstieg entscheiden müssen.

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