Handwerkerbörsen : Online unter dem Hammer

Wer über Handwerkerbörsen im Internet Aufträge vergibt, sollte die Qualifikation der Dienstleister genau prüfen. Denn die Bewertung durch Laien kann zum Problem werden.

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Dachdecker gesucht.
Dachdecker gesucht.Foto: ddp

Wer eine kaputte Spülmaschine reparieren lassen will, einen neuen Anstrich in der Wohnung braucht oder seinen Gartenteich ausbessern lassen möchte, kann das örtliche Branchenbuch nach Handwerkern durchsuchen. Doch das kann mühselig sein: Wer in den Gelben Seiten in Berlin nach Malerbetrieben sucht, findet online allein 637 Einträge. Statt viele verschiedene Angebote einzuholen oder einfach den Handwerker um die Ecke zu wählen, können Verbraucher auch Handwerkerbörsen im Internet nutzen. Dort können sie die gewünschte Dienstleistung – die Waschmaschinenreparatur, den Anstrich oder die Ausbesserung des Teichs – versteigern und den passenden Handwerker auswählen – zum Beispiel bei bekannten Börsen wie My-hammer.de, Blauarbeit.de oder Quotatis.

My-hammer ist die größte deutsche Handwerkerbörse im Netz. Sie hat nach eigenen Angaben mittlerweile 1,3 Millionen Mitglieder, davon 230 000 Handwerker. Blauarbeit.de mit 315 000 Mitgliedern liegt nach Branchenschätzungen auf Platz zwei. Das französische Unternehmen Quotatis, das 2006 die Börse letsworkit.de aufkaufte, ist in verschiedenen europäischen Ländern aktiv. Quotatis Deutschland hat mehr als 100 000 registrierte Nutzer und 10 000 Handwerker und Dienstleister. In einem Test der „Computerbild“ wurden auch die kleineren Börsen Undertool und Jobdoo mit geprüft, allerdings gingen dort im Vergleich zu My-Hammer und Blauarbeit kaum Aufträge ein.



DIE AUKTION

Bei allen Börsen ist die Anmeldung für den Auftraggeber kostenlos. Er kann dann sein Angebot ins Netz stellen – zum Beispiel das Malern einer Wohnung – und den Maximalpreis hinzufügen. Die Handwerker können dann ihre Angebote unterbreiten und um den Auftrag bieten. Als Mitte des Jahrzehnts die Börsen auf den Markt kamen, funktionierten sie meist nach dem Prinzip der Rückwärtsauktion – die Handwerker mussten den Maximalpreis unterbieten, meist bekam der günstigste den Zuschlag. Auch wegen Kritik der Handwerkskammern, dass die Portale der Branche durch Dumpingpreise schaden, sind die meisten Börsen nun eher auf ein Ausschreibungsverfahren umgestiegen, bei dem nicht nur der Preis zählen soll, sondern auch die Qualität. Der Auftraggeber kann häufig aus den Geboten frei einen Handwerker auswählen, und es muss nicht der günstigste sein. Ist gar kein passender Dienstleister dabei, muss der Auftrag nicht vergeben werden.

„Wir wollen mehr ein umfangreiches Branchenbuch sein, auf dem sich Auftraggeber und Handwerker finden und dazu bequem Bewertungen und Referenzen einsehen können“, sagt My-Hammer-Sprecher Niels Genzmer. Bei My-Hammer können die Handwerker über das Portal sogar eine Besichtigung vereinbaren, auch der Zugriff auf Telefonnummern und Adressen ist möglich. Früher waren diese Daten während der Auktion unter Verschluss, damit keine heimlichen Absprachen getroffen werden konnten. Auch bei Blauarbeit gibt es keine Auktion, bei der die Uhr tickt, sondern nur Anfragen, zu denen Handwerker ihr Gebot abgeben können. Bei der Börse Quotatis kann man gar nicht mehr bieten – das Portal vermittelt nur Anfragen von Privatpersonen und Unternehmen an Dienstleister und Handwerksbetriebe.

AUFTRAG

Verbraucherschützer raten, den Auftrag für den Dienstleister möglichst genau zu beschreiben, damit es hinterher bei den Kosten keine bösen Überraschungen und Streitigkeiten gibt. Auch sollten Auftraggeber genau festlegen, was alles im Preis enthalten sein soll. Sonst könnten Material oder Anfahrt aufgeschlagen werden. Zudem sollte der Startpreis nicht zu niedrig angesetzt sein, sonst bietet kein seriöser Handwerker mit. Bei den meisten Portalen können ältere Aufträge und Bewertungen eingesehen werden, an denen man sich gut orientieren kann. Auch die Hotlines der Börsen können weiterhelfen. Bei komplizierten Aufträgen lohnt es sich im Zweifel, einen Besichtigungstermin auszumachen. Auch sollte der Ausführungstermin nicht zu kurz nach Ablauf der Auktion liegen, damit die Handwerker genügend Zeit haben, den Auftrag zu planen. Für den Auftraggeber ist das Einstellen des Auftrags kostenlos. Die Handwerker müssen dagegen meistens zahlen – bei My-Hammer zum Beispiel eine Vermittlungsprovision und eine Monatspauschale ab einer bestimmten Auftragshöhe, bei Blauarbeit nur eine Monatspauschale. Jobdoo zum Beispiel ist für alle kostenlos (siehe Grafik).



QUALITÄT

Einen Nachteil haben alle Börsen: Verbraucher können nur schwer einschätzen, ob die Handwerker wirklich gute Qualität abliefern. Bei allen Portalen gibt es zwar Profile der Handwerker und Bewertungen früherer Kunden. Blauarbeit.de errechnet aus Nutzerkommentaren und Qualifikationen einen Qualitätsindex. Quotatis hat ein Bewertungssystem mit Noten, und My-hammer schließt Dienstleister aus, die sich nicht an die Spielregeln halten. Problematisch ist aber, dass Laien die Qualität einer baulichen Leistung oft nicht richtig bewerten können.

Alle Portale verlangen von den Dienstleistern einen Gewerbeschein. Die Börsen stellen auch, wenn vorhanden und gewollt, Zeugnisse, Gesellen- oder Meisterbriefe ins Netz – nach eigenen Angaben prüfen sie diese auch.

RISIKEN

Die Handwerkskammer empfiehlt den Nutzern dennoch, vorher anzufragen, ob die Anbieter bei ihr eingetragen sind. „Wir finden, dass die Internet-Portale ein wichtiges Anbahnungsinstrument sind, aber Verbraucher sollten genauso kritisch bei der Nutzung sein wie bei Kleinanzeigen“, sagt Susan Shakery von der Handwerkskammer Berlin. Denn ob die Qualifikationen von den Portalen wirklich geprüft würden, sei unklar. Um Schwarzarbeit vorzubeugen, sollten Verbraucher sich immer eine Rechnung geben lassen. „Wichtig ist auch, nicht in bar zu zahlen, sondern zu überweisen, sonst kann man die Handwerksleistung nicht steuerlich geltend machen“, sagt Shakery.

Auch für Auftragnehmer gibt es Risiken. „Bei Internetaufträgen können viele Missverständnisse entstehen. Und die können dann zu erheblichen Folgekosten für den Handwerker führen“, sagt Shakery. Wenn möglich, sollten Handwerker die Baustelle vorher besichtigen und so viel Kontakt mir dem Auftraggeber wie möglich suchen. „Reine Auktionen sehen wir skeptisch“, sagt Shakery.

GEWÄHRLEISTUNG

Generell gelten für Handwerkerleistungen, die im Netz gebucht werden, die gleichen Regeln wie für solche, die telefonisch oder persönlich vereinbart wurden. Es gibt zwei Jahre Gewährleistung. Bei Problemen kann der Verbraucher Nachbesserung verlangen. Wichtig ist, sich eine Rechnung ausstellen zu lassen, ohne sie gibt es keine Gewähr. Weiterhin ist es besser, eine Firma in der Nähe auszusuchen, so sind Nachbesserungen im Zweifel einfacher durchsetzbar. Deshalb sollten Auftraggeber auch vorher nachschauen, ob bei dem Portal Handwerker aus der eigenen Region vertreten sind. Aber Vorsicht: Mit der Ausführung haben die Portale nichts zu tun. Wer unzufrieden ist oder sich über den Tisch gezogen fühlt, muss das mit dem Handwerker selbst regeln. Kann der Verbraucher sich nicht mit dem Handwerker auf die Nachbesserung einigen, kann er sich an die Verbraucherzentralen oder die Handwerkskammern wenden oder gegebenenfalls einen unabhängigen Gutachter einschalten.

SPAREN

Die Handwerkerbörsen im Netz locken die Verbraucher mit der Ersparnis – bis zu 30 Prozent verspricht etwa My-Hammer. „Computerbild“ hat bei fünf bekannten Börsen Aufträge versteigert und mit dem Preis beim Handwerker um die Ecke verglichen. Die Ersparnis lag zum Teil bei fast 80 Prozent. My-Hammer hatte die meisten Gebote, bei Blauarbeit waren die Handwerker im Schnitt günstiger. Bei Undertool und Jodoo gab es teils gar keine Gebote, und wenn, dann war die Ersparnis im Vergleich zu My-Hammer und Blauarbeit gering. Am ehesten, sagen die Tester, lohnen sich die Börsen bei Aufträgen im Wert von ein paar hundert Euro.

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