Verbraucher : Höhere Mehrwertsteuer wirkt schon 2006

Studie: Der Handel hebt die Preise bereits in wenigen Wochen an – zum Teil sogar um mehr als drei Prozent

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Berlin - Wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung müssen die Verbraucher schon in den kommenden Wochen mit Preissteigerungen rechnen. Um die Kunden zum Jahreswechsel nicht mit starken Aufschlägen zu schocken, wollen die meisten Handels- und Industrieunternehmen schon im zweiten Halbjahr ihre Preise anheben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Sempora.

„Die Preise werden zum Teil deutlich steigen“, sagte Sempora-Berater Thomas Golly. Anfang 2007 werde es dann vermutlich eine Reihe werbewirksamer Preissenkungen geben. Unklar ist noch, wie stark die Preise ab der zweiten Jahreshälfte steigen werden.

Sempora befragte knapp 170 Hersteller und Händler aus den Bereichen Pharma, Lebensmittel und Konsumgüter nach ihrer Strategie. 30 Prozent der Firmen gaben an, die Preise um mehr als drei Prozentpunkte anheben zu wollen. 14 Prozent planen eine Anhebung um genau drei Prozentpunkte – das ist das Ausmaß der Steuererhöhung. 46 Prozent der Firmen wollen um weniger als drei Prozentpunkte erhöhen. Nur zehn Prozent der befragten Unternehmen wollen die Preise unverändert lassen.

Staat, Handel und Industrie sehen der Erhöhung mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn mit einer Mehrwertsteuererhöhung um drei Punkte gibt es bislang keine Erfahrung. Ökonomen erwarten allerdings, dass die Verbraucher größere Anschaffungen bereits auf das zweite Halbjahr 2006 verlegen werden. Davon will der Handel nun profitieren.

„Bei vielen Artikeln wird die Erhöhung gar nicht auffallen – einige Hersteller könnten etwa kleinere Packungsgrößen auf den Markt bringen und so den Anstieg verschleiern“, vermutet Sempora-Mann Golly. Andere würden versuchen, ihre Produkte qualitativ aufzuwerten, um die höheren Preise zu rechtfertigen.

Auch die Signalwirkung der Preise spiele eine Rolle: So werde der Handel kaum unübliche Beträge wie etwa 2,04 Euro für eine Tüte Kartoffelchips verlangen, sondern eher einen Aufschlag auf 2,09 Euro vornehmen – das wäre dann ein Plus von fünf Prozent. brö

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