Verbraucher : Im Schweben ruhen

Hersteller loben den Liegekomfort von Wasserbetten, doch ob sie dem Rücken schaden oder nutzen, ist bei Medizinern umstritten

Jörg Ziegler

Sanfter, entspannender Schlaf – Hersteller und Nutzer preisen das Wasserbett als das Nonplusultra des gesunden Liegekomforts. Verbraucherschützer haben jedoch gesundheitliche Bedenken und warnen vor Elektrosmog.

„Ein Vorteil des Wasserbetts ist das ergonomische, voll unterstützte Liegen“, sagt Iris Geyer, Vorsitzende des Fachverbandes Wasserbett. Das Schlafen auf Wasser – quasi im Schwebezustand – sei für den Körper besser als auf jedem anderen Bett. Die Muskulatur entspannt sich, die Wirbelsäule wird entlastet, es entstehen keine Druckstellen und deswegen dreht man sich weit weniger im Schlaf als normalerweise, sagt die Expertin.

Ob das allerdings tatsächlich ein Vorteil ist, darüber sind sich Mediziner keineswegs einig. Die Bandscheiben brauchten auch nachts Bewegung, um ausreichend Flüssigkeit und Nährstoffe aufzunehmen, sagt Detlef Detjen von der „Aktion gesunder Rücken“. Ein gesunder Mensch müsse bis zu 60 Mal pro Nacht die Schlafposition wechseln. Auch Johannes Stöve von der Orthopädischen Klinik in Mannheim betont, dass Gelenke auch nachts bewegt werden müssen. Aber wie oft, sei wissenschaftlich nicht belegt. „Aus medizinischer Sicht, kann ich den Kauf weder empfehlen noch davon abraten“, sagt Stöve.

Ganz praktische Befürchtungen, Wasserbetten könnten platzen und auslaufen, nennt der Fachverband unbegründet. Hochwertige Matratzen liegen in einer Sicherheitswanne, die austretende Flüssigkeit auffange. Außerdem stehe die gefüllte Matratze nicht unter Druck, sagt die Verbandsvorsitzende Geyer, „sie ist eher wie eine Badewanne mit einem Deckel drauf.“ Auch ein Platzen des Wasserbettes sei sehr unwahrscheinlich. „Wir sind problemlos mehrfach mit einem Traktor über eine gefüllte Matratze gefahren“, sagt Geyer.

Läuft dennoch einmal Wasser aus, dann zahlt die private Haftpflichtversicherung. Den eigenen Besitz deckt die Hausratversicherung ab. Allerdings nur, wenn der Kunde vorher das Wasserbett in die Police hat eintragen lassen. Liegt hingegen ein Produktfehler vor, haftet der Hersteller. Schäden, die auf einen falschen Aufbau zurückzuführen sind, trägt der Händler. Vorausgesetzt, er hat das Bett auch aufgebaut. Aber es sei üblich, dass ein Fachmann dies erledige, sagt Geyer.

Angst vor Seekrankheit sei ebenfalls „kein Thema“, sagt Geyer. Es gebe Matratzen, die kaum Schwingungen verursachten. Bewegungen des Partners würden als beruhigendes Wiegen wahrgenommen. Wer das nicht so empfindet, für den gibt es auch Dualsysteme bestehend aus zwei Matratzen.

Gerade für Allergiker seien Wasserbetten eine gute Alternative, sagt Geyer. Hautschuppen, Schweiß und Schmutz dringen nämlich nicht in die Matratze ein. Schimmel oder Algen können sich nicht bilden, wenn beim ersten Auffüllen der Matratze Konditionierer beigefügt wird. Das Präparat muss dann alle sechs Monate nachgefüllt werden.

Für kuschelige, warme Nächte sorgt eine elektrische Heizungsmatte unter der Matratze. Die Temperatur lässt sich nach Belieben regulieren. Geyer schätzt die Kosten für den Stromverbrauch auf maximal 60 Euro im Jahr. Ralf Schmidt-Pleschka von der Verbraucherinitiative Berlin warnt jedoch vor den gesundheitlichen Risiken durch Elektrosmog. Angesichts der nicht einschätzbaren Gefahren durch elektromagnetische Strahlen rät er, „Stromquellen unmittelbar dort, wo man schläft, unbedingt zu vermeiden“. Wer kein Risiko eingehen will, kann auch ein Wasserbett wählen, dass nur tagsüber heizt.

Der Kunde hat die Wahl zwischen Softsider und Hardsider. Softsider haben einen Schaumstoffrand, der die Matratze hält. Ein spezieller Rahmen ist nicht nötig, so dass Softsider in nahezu alle Bettgestelle passen, aber auch ganz ohne auskommen. Hardsider verfügen über einen speziellen Rahmen, der der Matratze von außen Halt gibt. „Ein qualitativ hochwertiges Wasserbett kostet zwischen 1500 und 3000 Euro“, sagt Geyer. Bei richtiger Pflege halte es bis zu 15 Jahre. Allerdings, räumt die Verbandsvorsitzende ein: Umzüge sind wegen des Gewichts – ein gängiges Doppelbett fasst bis zu 600 Liter – nur mit Unterstützung eines Fachmanns möglich.

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