Inflation : Teuer, teurer, am teuersten

Die Inflationsrate lag im vergangenen Jahr bei 2,2 Prozent - so hoch wie seit 1994 nicht mehr. Für die Verbraucher wird auch das laufende Jahr teuer: Die Lebensmittelpreise steigen weiter.

Maren Peters

Berlin Begrenzte Anbauflächen, Klimaveränderungen und der zunehmende Einsatz von Pflanzen für die Biospritproduktion werden Lebensmittel auch in diesem Jahr teurer machen. Drastische Preissprünge wie im vergangenen Jahr, wo sich das Paket Butter im Sommer um fast 50 Prozent verteuert hatte, werde es aber nicht geben, erwarten Ernährungsindustrie und Verbraucherschützer. Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) prophezeite am Mittwoch in Berlin ein Plus von „moderaten zwei bis drei Prozent“ bei den Preisen. Und auch Gerd Billen, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), erwartet 2008 „keine gravierenden Preiserhöhungen“. Es gebe aber auch „kein Zurück in das Billigpreis-Zeitalter der Discounter“, sagte er vor der Internationalen Grünen Woche, die am Freitag in Berlin beginnt.

Schon im vergangenen Jahr hatten hohe Lebensmittel- und Energiekosten die Teuerung in Deutschland auf Rekordstand getrieben. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Preise um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch bestätigte. Das war der höchste Anstieg seit 13 Jahren. 2006 war der Verbraucherpreisindex um 1,7 Prozent gestiegen.

In der zweiten Jahreshälfte ging der Preisanstieg vor allem auf die Lebensmittel zurück, die sich im Jahresschnitt und über alle Produkte um 3,1 Prozent verteuerten. Der Unterschied zwischen Dezember 2007 und Dezember 2006 war noch gravierender: So war Butter um knapp 45 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, bei Eiern mussten Verbraucher 17,3 Prozent mehr an der Kasse lassen, bei Quark 38 Prozent.

Für den Anstieg der jährlichen Inflationsrate waren neben Lebensmitteln vor allem hohe Energiekosten verantwortlich. Am tiefsten mussten Verbraucher für Strom in die Tasche greifen, im Jahresverlauf verteuerte er sich um 6,8 Prozent, Kraftstoffe wurden 4,1 Prozent teurer. Die Statistiker ermitteln die Teuerungsrate auf Grundlage eines Warenkorbes, in das einzelne Posten wie Energie, Bildung, Lebensmittel, Reisen oder Bekleidung zu unterschiedlichen großen Teilen einfließen.

Im internationalen Vergleich sei die Teuerung in Deutschland aber noch moderat, hieß es gestern bei der Ernährungsindustrie. In Großbritannien sei die Rate um 4,1 Prozent gestiegen, in China sogar um 17,6 Prozent. Gemessen an dem Richtwert der Europäischen Zentralbank ist die Entwicklung in Deutschland allerdings bedenklich: Die Notenbank hat ein Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent ausgegeben, um eine Geldentwertung zu verhindern. Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute, wie etwas das Berliner DIW, erwarten, dass Deutschland im Jahresverlauf 2008 diese Marke wieder erreicht.

Während Verbraucher unter den Preissteigerungen vor allem bei Lebensmitteln stöhnen, hat die Industrie davon profitiert. Nach Angaben des Branchenverbandes BVE stiegen die Umsätze im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent auf 147,4 Milliarden Euro. Noch besser sehen die Zahlen im Export aus: Er legte um mehr als 13 Prozent zu. Für das laufende Jahr sind die Erwartungen gedämpfter. Das Umsatzwachstum werde insgesamt mit maximal einem Prozent geringer ausfallen, sagte BVE-Chef Abraham voraus.

Nutznießer der hohen Lebensmittelpreise waren auch die deutschen Landwirte. Das „Konjunkturbarometer Agrar“ hat sich innerhalb von nur zwei Jahren aus dem Minusbereich auf einen Wert von 39 Punkten hinaufgeschraubt. Der Index, der vierteljährlich erhoben wird, setzt sich aus der Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage und der Zukunftserwartung der Landwirte zusammen.

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