Verbraucher : Mehrere tausend Euro Unterschied

Die Angebote der privaten Rentenversicherungen variieren gewaltig. Wer lange lebt, hat eine gute Rendite

Stefan Kaiser

Ein paar hundert Euro zusätzlich, jeden Monat, bis ans Lebensende – eine private Rentenversicherung kann das Alter angenehmer machen. Doch die Versicherung lohnt sich nicht für jeden, und die Angebote sollten gut geprüft werden. Bei gleicher Einzahlung kann die ausgezahlte Rente um mehrere tausend Euro variieren – je nach Versicherer.

Die Zeitschrift „Finanztest“ hat 55 Anbieter geprüft. „Nur jedes elfte Angebot ist sehr gut“, bilanziert Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Die Tarife der Debeka, Europa, WGV, Interrisk und Cosmos-Direkt waren die Testsieger – sowohl bei Männern als auch bei Frauen (siehe Grafik). Nur mit „ausreichend“ wurden dagegen die Produkte der Aachen Münchner, Gothaer und Victoria bewertet.

Getestet wurden Angebote für heute 35-jährige Frauen und Männer, die 30 Jahre lang 1200 Euro pro Jahr einzahlen. Schon bei der Garantierente, also dem, was der Versicherte in jedem Fall erhält, liegen die besten Angebote 15 Prozent über den schlechtesten. Legt man den Anlageerfolg der vergangenen Jahre zugrunde, geht die Schere durch die erwirtschafteten Überschüsse noch weiter auseinander. „Die Rentner mit einer guten Wahl bekommen mit Beginn ihres Ruhestandes 360 Euro im Monat ausgezahlt, die mit dem nicht so leistungsfähigen Produkt nur 240 Euro“, erklärt Tenhagen. „Und das bei gleichen Sparanstrengungen während des Arbeitslebens.“ Neben der Garantierente und dem Anlageerfolg spielte im Test auch die Transparenz der Angebote eine Rolle. Dabei wurde etwa darauf geachtet, ob der Kunde vor Vertragsabschluss darüber informiert wird, was passiert, wenn er die Beiträge nicht mehr zahlen kann.

Die private Rente wird immer beliebter. Noch im Jahr 2000 waren nur gut 20 Prozent aller verkauften Lebensversicherungen Rentenverträge. Im ersten Halbjahr 2006 ist diese Zahl nach Angaben der Branche auf mehr als 45 Prozent gestiegen. Ein Vorteil ist die niedrige Besteuerung. Während Riester- und Betriebsrenten voll steuerpflichtig sind und auch die gesetzliche Rente nach und nach besteuert werden muss, bleibt die private Versicherung steuerbegünstigt. Fließt die erste Rente mit 65 Jahren, muss man nur 18 Prozent davon versteuern.

„Eine private Lebensversicherung eignet sich für alle, die für einen geruhsamen Lebensabend noch ein verlässliches Zusatzeinkommen brauchen“, sagt Tenhagen. „Der Charme der privaten Rente ist, dass sie auch noch zahlt, wenn man über 100 Jahre alt wird.“ Umgekehrt lohnt sich die Rente nicht, wenn man nicht alt wird. Die Versicherer rechnen vorsichtig und gehen davon aus, dass ihre Kunden älter werden als der Durchschnitt.

Wer sich privat versichern will, dem sollte außerdem bewusst sein, dass er seine Beiträge bis zum Rentenantritt lückenlos abliefern muss – auch wenn er mal arbeitslos wird oder Geld für größere Anschaffungen braucht.

Frauen müssen bei gleicher Einzahlung mit einer geringeren monatlichen Rente rechnen. „Die Versicherer haben ausgerechnet, dass ihre weiblichen Kunden deutlich länger leben und deshalb im Schnitt viele Monate mehr Rente beziehen“, erklärt Tenhagen.

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