Negativpreis : Schlafmittel für Kinder und zu fettes Essen

Der internationale Verbraucherschutzverband hat auch in diesem Jahr wieder die schlechtesten Produkte ausgezeichnet. Das Coca-Cola banales Leitungswasser teuer verkauft, ist noch eins der harmloseren Vergehen der Großkonzerne.

Berlin - Was haben Coca-Cola, Kellog’s, Mattel und der japanische Pharmakonzern Takeda gemeinsam? Sie sind große Konzerne mit weltweit bekannten Marken, und sie haben die diesjährigen Preise für die schlechtesten Produkte des Jahres gewonnen. Diese wenig schmückende Auszeichnung wurde am Montag vom internationalen Verbraucherschützerverband Consumers International in Sydney vergeben.

Coca-Cola erhielt den Negativpreis für ein nach Meinung der Verbraucherschützer besonders dreistes Vorgehen: Der Konzern hatte in den USA und Lateinamerika ein Mineralwasser namens Dasani groß beworben, obwohl das Wasser aus denselben Quellen stammt wie das örtliche Leitungswasser.

Auch der japanische Pharmakonzern Takeda wurde für seine Marketingkampagne an den Pranger gestellt: Er hatte in einem US-Werbespot für das Schlafmittel Rezorem geworben und dabei die Verwendung der Pillen für Kinder nahegelegt. Bei den Fernsehspot sei in keiner Weise auf die Gesundheitsgefahren aufmerksam gemacht worden, urteilte die Jury. „Dieser Fall zeigt, wie weit einige Pharmaunternehmen zu gehen bereit sind, um ihren Absatz zu steigern“, erklärte Consumers International. Der US-Konzern Kellogg’s erhielt den Preis für den Verkauf von besonders schlechtem Essen. Das Unternehmen verdiene Geld, indem es Produkte mit viel Fett und Zucker oder Salz verkaufe, hieß es. Mit seiner Werbung ziele es vor allem auf Kinder ab. Auch das amerikanische Spielzeugunternehmen Mattel wurde ausgezeichnet: Es hatte 19 Millionen in China gefertigte Spielzeuge wegen bleihaltiger Farbe und sich ablösender, verschluckbarer Teile zurückrufen müssen.

Für die Preise wählt Consumers International aus Vorschlägen ihrer 220 Mitgliedsorganisationen aus. Aus Deutschland ist der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) als einziges Vollmitglied vertreten. Die Verbraucher Initiative und die Stiftung Warentest sind assoziierte Mitglieder.

In Deutschland könnte es bald auch einen Preis für schlechte Produkte geben. „Wir denken darüber nach“, sagte VZBV-Sprecher Christian Fronczak. Es gebe aber noch Schwierigkeiten mit der Auswahl geeigneter Kriterien. Dies ist offenbar auch bei der internationalen Variante des Preises ein Problem. Consumers International wählt die Produkte etwa nach der Größe des Unternehmens, den Absatzzahlen und den Auswirkungen auf den Verbraucher aus. Der Stiftung Warentest etwa ist dies zu wenig. „Wir würden uns bei einer solch weichen Kriterienlage nicht an der Auswahl beteiligen“, sagte Abteilungsleiter Carl-Heinz Moritz. stek

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