Verbraucher : Reinliche Rollen

Fest und sanft sollen sie sein. Die meisten Produkte schaffen das gut. Die Testsieger sind allerdings etwas teurer

Miriam Schröder

Früher war Toilettenpapier ein eher peinliches Produkt. So unangenehm, dass man vermied, im Laden laut danach zu fragen. „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen“, lautete einer der ersten Werbeslogans im Jahre 1948. 40 Jahre später erklärte die selbe Firma einen nackten Po in einem Fernsehspot für Klopapier zur „Kusszone“.

Aus dem Geschäft hinter der verschlossenen Tür ist ein Markt geworden, der sich sehen lassen kann. Mehr als eine Milliarde Euro geben die Deutschen jährlich für ihr Toilettenpapier aus. Grund genug für die Stiftung Warentest, das Produkt genau unter die Lupe zu nehmen. Schließlich ist Papier ist nicht gleich Papier. Mehr als 80 Sorten konkurrieren hier zu Lande um die Gunst der Kunden. 27 davon hat die Stiftung einem Praxistest unterzogen. Ausgestattet mit zwei- bis fünflagigen Rollen gingen 400 Männer und Frauen eine Woche lang für Warentest aufs Klo.

Die Tester haben geprüft, wie weich ein Papier ist und wie leicht sich die Blätter von der Rolle trennen lassen. Ob die einzelnen Lagen zusammenhalten, wie dick das Papier ist und wie ergiebig eine Rolle. Und natürlich, ob es richtig sauber macht. Zusätzlich wurden alle Marken im Labor auf mögliche gesundheitsgefährdende Stoffe untersucht. Gefunden wurden keine.

Auch sonst fällt kein Produkt richtig aus der Rolle. Die Mehrheit der Papiere wischt rundum „gut“. Nur fünf Marken kassierten ein „befriedigend“: Sie waren den Probandenpos nicht flauschig genug. Drei Toilettenpapiere bekamen sogar ein „sehr gut“. Eines davon ist die fünflagige „de Luxe“-Version der Marke „Sanft + Sicher“ von dm – mit 44 Cent pro Rolle ist es aber auch eines der teuersten. Ebenso gut, aber deutlich billiger sind zwei Produkte der Marke „Charmin“. Durch ein neuartiges Herstellungsverfahren macht dieses Klopapier mit nur zwei Lagen genauso sanft und sicher sauber wie ein Vielschichtiges.

Weniger Papier schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Das ist an sich eine gute Sache. Doch wer es richtig ernst meint mit dem Umweltschutz, greift nicht zu einem der Testsieger. Denn alle drei Produkte werden aus frischem Zellstoff hergestellt, den man aus Holz gewinnt. Den Hintern mit frischem Papier abzuwischen ist so, als würde man Bäume im Klo herunterspülen. Bei 80 Millionen Deutschen, von denen jeder jährlich mehr als einen Kilometer Klopapier verbraucht, ist das eine Menge Holz. Zudem geben die deutschen Hersteller in der Regel nicht an, ob sie Bäume aus ökologischer Forstwirtschaft oder Tropenholz aus dem Regenwald verwenden.

Besser ist darum Recyclingpapier. Der Warentest hat allerdings gezeigt: In punkto Weichheit erreichten die Ökopapiere höchstens ein „befriedigend“. Das dreilagige „Happy End“ von Penny war sogar nur ausreichend. Den Testern war es schlicht zu rau.

Wer sich heutzutage über kratziges Papier beschwert, sollte einmal einen Blick in die Geschichte werfen: So sanft wie heute wurden Hintern früher nicht geputzt. Noch gar nicht so lange ist es her, da hing morgens die Zeitung von gestern auf dem Klo. Die alten Griechen säuberten ihren Allerwertesten gar mit Steinen und Tonscherben. Die Römer nahmen einen Schwamm, getränkt in desinfizierendem Salzwasser. Als Erste haben die Chinesen Papier für den Po benutzt. Im Jahre 1393 orderte einer ihrer Kaiser Bögen von einem halben Quadratmeter Ausmaß für sein stilles Örtchen.

Heute kann man mit der Wahl seines Klopapiers nicht mehr viel falsch machen. Die Stiftung Warentest hatte wenig zu beanstanden. Ihr Fazit: Der Markt bietet viele gute und günstige Papiere, die sich in Weichheit und Reinigungsergebnis kaum unterscheiden. Manche Sorten sind etwas dicker, andere fester, hier lassen sich die Blätter leichter lösen, dort halten die Lagen besser zusammen. „Alles in allem ist der Preis entscheidend“, urteilten die Tester.

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