Spritpreise : Wut an der Zapfsäule - Benzin teuer wie nie

Die Rekordmarke ist geknackt. Kurz vor den langen Maiwochenenden ist Benzin in Deutschland teuer wie nie. Der Grund für den Rekordanstieg: der hohe Rohölpreis. Auch die Zeiten, in denen Fahrer von Dieselautos Geld sparen konnten, dürften bald vorbei sein.

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Der Besuch einer Tankstelle macht zurzeit keinen Spaß -Foto: ddp

Düsseldorf Benzin und Diesel sind für die Autofahrer in Deutschland so teuer wie noch nie. Die Preise erreichten am Mittwoch absolute Rekordhöhen, wie der ADAC und der Mineralölkonzern am Donnerstag unabhängig voneinander mitteilten. Diesel könnte nach Einschätzung des Mineralölkonzerns BP sogar bald teurer als Benzin sein.

Im Bundesdurchschnitt von Marken- und Freien Tankstellen kostete ein Liter Superbenzin laut ADAC 1,466 Euro, genau ein Cent mehr als beim bisherigen Allzeithoch vom 9. November 2007. Für Dieselkraftstoff mussten die Autofahrer 1,379 Euro berappen. Die Höchstmarke lag bisher bei 1,369 Euro und war am 12. April 2008 erreicht worden. Verantwortlich für die Rekordjagd der letzten Tage ist laut ADAC der starke Preisanstieg für Rohöl.

BP meldete sogar noch höhere Zahlen. Demnach kostete Superbenzin 1,48 Euro und Diesel 1,39 Euro je Liter. Weitere Anhebungen schließt der Mineralölkonzern, der mit seiner Tochter Aral die größte deutschen Tankstellenkette betreibt, nicht aus. Eine Preisexplosion in Richtung zwei Euro je Liter sei aber aus derzeitiger Sicht unwahrscheinlich, sagte BP-Vorstandsmitglied und Aral-Chef Stefan Brok.

Diesel wird teuerer

Dagegen könnte nach BP-Einschätzung Diesel wegen der steigenden Nachfrage mittel- bis langfristig dauerhaft teurer als Benzin werden. Mit rund 1100 US-Dollar je Tonne werde Diesel auf dem Rohölmarkt in Rotterdam schon jetzt teurer gehandelt als Benzin mit rund 1000 Dollar, merkte Brok an. Nur die günstigere Besteuerung drücke den Diesel-Verkaufspreis in Deutschland derzeit noch unter den des Superbenzins.

Trotz der neuen Rekordpreise an den Zapfsäulen rechnet die Deutsche BP im Verlauf des Gesamtjahres aber mit einem Ende der Preistreiberei beim Rohöl. Vorstandschef Uwe Franke geht davon aus, dass sich die durchschnittlichen Rohölpreise in etwa auf dem Vorjahresniveau zwischen 70 und 90 US-Dollar je Barrel (159 Liter) einpendeln. Derzeit kostet das Barrel der Nordsee-Rohölsorte Brent dagegen 116 Dollar. Der Preis sei durch Spekulationen "übertrieben", sagte Franke.

Kein Versorgungsengpass

Versorgungsengpässe beim Rohöl sieht die Deutsche BP auch auf lange Sicht nicht. Über die Gas- und Ölvorräte müssten sich die Menschen "in diesem Jahrhundert keine Sorgen" machen, betonte Franke. Schon seit Jahrzehnten werde die Reichweite der Ressourcen stets mit 40 bis 45 Jahren beziffert, weil immer wieder neue Reserven entdeckt und erschlossen würden. Spekulationen über ein bevorstehendes Fördermaximum und einer anschließenden stetigen Abnahme der Ölförderung schürten lediglich die Ängste der Menschen. Sie seien aber zugleich eine "hervorragende Methode, um Subventionen für andere Energieträger zu bekommen".

Unterdessen ließen 2007 die auch durch die Anhebung der Mehrwertsteuer bedingten hohen Preise sowie der vergleichsweise milde Winter den Mineralölverbrauch in Deutschland deutlich zurückgehen. Nach BP-Angaben schrumpfte er gegenüber 2006 um 9,5 Prozent auf 101,8 Millionen Tonnen. Der Absatz von Normal- und Superbenzin sank um 4,3 Prozent, während der Dieselabsatz mit einem leichten Plus von einem Prozent nahezu unverändert blieb. (mfa/ddp)

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