Verbraucher : Suchen, sammeln, spekulieren

Briefmarken, Münzen, alte Aktien – Sammler sollten nicht nur aufs Geld achten

Tobias Symanski

Die Deutschen sind ein Volk der Sucher und Sammler. Egal ob männlich oder weiblich, jung oder alt, Hauptschüler oder Akademiker – die Leidenschaft fürs Horten teilen rund drei von vier Deutschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung des Marktforschungsunternehmens TNS Emnid unter rund tausend Bundesbürgern. Neben dem Spaß am Sammeln und dem Erinnerungswert der Objekte begreift jeder vierte Befragte seine Sammlung auch als Wertanlage. Garantien, welche Sammelgebiete in der Zukunft lukrativ werden könnten, gibt es dabei allerdings nicht.

Beispiel Briefmarken: Die Postwertzeichen gehören zu den beliebtesten Sammlerobjekten, doch Gewinn machen damit nur die wenigsten. „Viele Sammler verlassen enttäuscht meinen Laden, wenn ich kein Interesse an ihren Alben zeige“, sagt ein Briefmarkenhändler mit langjähriger Erfahrung. „Sie können gar nicht glauben, dass selbst 40 Jahre alte Marken der Bundespost heute nur noch einen Bruchteil ihres damaligen Preises wert sind.“

Schlimmer noch hat es die Telefonkarten-Fans erwischt. Anfang der 90er Jahre schafften die bunten Plastikkarten schnell den Sprung in zahlreiche Briefmarken- und Münzfachgeschäfte. Doch nach dem Hype kam der Absturz, als die Zahl der ausgegebenen Karten explodierte. „Der Markt ist regelrecht in sich zusammengebrochen“, sagt Michael Becker vom Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels. Wurden Exemplare aus der Anfangszeit in der Spitze für über 1000 D-Mark gehandelt, gelten heute 50 Euro als guter Preis. „Sammeln ist oft wie spekulieren an der Börse. Niemand weiß vorher, ob es rauf- oder runtergeht“, sagt Michael Becker.

Die Binsenweisheit bewahrheitet sich vor allem für den Münzenmarkt. Gerade hier gilt: Auch eine geringe Auflage ist noch keine Garantie für Wertsteigerungen. Denn der Preis sinkt, wenn keiner das Geldstück haben will. Wie spekulativ das Hobby sein kann, zeigt die erste 200-Euro-Gedenkmünze in Gold. Im Jahr 2002 wurde das Stück für 371 Euro auf den Markt gebracht und in einer Spekulationsblase schnell bis auf 2000 Euro hochgetrieben. Heute ist das Sammelobjekt wieder für rund 800 Euro zu haben. Becker rät, beim Sammeln nicht krampfhaft auf einen Wertzuwachs zu spekulieren, sondern lieber das Hobby an sich in den Vordergrund zu stellen.

Erste Anlaufstelle für Sammler sind Messen, aber vor allem Auktionen. „Holen Sie sich dort so viele Informationen, wie Sie kriegen können und studieren Sie die Kataloge“, rät Michael Weingarten, Vorstand der Aktien-Gesellschaft für Historische Wertpapiere. Die so genannten Nonvaleurs sind wertlos gewordene Wertpapiere – meist Aktien –, die nicht mehr gehandelt werden. Als Spekulationsobjekt können sie sich dennoch eignen. Beispiel Cargolifter. Die gedruckte Aktie des im Jahr 2002 in Konkurs gegangenen Luftschiffbauers war einem Bieter auf einer Auktion 100 Euro wert. Weingarten hält das Steigerungspotenzial jedoch für begrenzt. Er rät Sammlern, vor allem in hochpreisige Wertpapiere zu investieren.

So steigerte ein in den 80er Jahren aufgetauchter Anteilsschein einer Quecksilberfabrik seinen Wert von damals 3000 D-Mark auf heute 14000 Euro. Als gute Einstiegsmarke betrachtet Weingarten Preise um die 1000 Euro und empfiehlt Sammlern, an den Wiederverkauf frühestens nach zehn Jahren zu denken. Denn die Auktionsgebühr frisst am Anfang eine erreichte Wertsteigerung noch auf. Risikolos ist aber auch das Geschäft mit historischen Papieren nicht. So hat sich der weltweite Börseneinbruch ab dem Jahr 2000 negativ auf den Sammlermarkt ausgewirkt.

Und ähnlich wie bei Münzen gilt: Die Nachfrage der Sammler und die Auflage müssen zusammenpassen. „Bei einem alten Maschinenbauwert aus Berlin können drei von fünf Stücken schon zu viel sein, wenn sich keiner dafür interessiert“, sagt Michael Weingarten. „Bei BMW-Aktien aus der D-Mark-Zeit dagegen sind 200 Stücke deutlich zu wenig, weil die jeder haben will.“

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