Tarifrechner : Unter Strom

Welcher Tarifrechner die günstigsten Angebote findet, zeigt ein Test. Von elf überprüften Vergleichsrechnern erhielten vier ein "Mangelhaft".

Yasmin El-Sharif

Es gibt ein Mittel gegen hohe Strompreise: den Anbieter wechseln. Doch bei dem Wust an Bonusmodellen, Paketangeboten und Tarifen verliert der Wechselwillige schnell den Überblick. Das geht offenbar auch einigen Anbietern von Tarifrechnern im Internet so, wie ein Test der Stiftung Warentest ergab. Von elf überprüften Vergleichsrechnern erhielten vier ein „Mangelhaft“. Sie hatten kaum einen der günstigsten Tarife gefunden.

Stromtarifrechner sollen idealerweise so funktionieren, dass sie im Internet schnell und kostenlos eine Liste der billigsten Tarife ermitteln. Das geht mithilfe der Eingabe von Postleitzahl und des Jahresverbrauchs. In manchen Fällen ist es sogar möglich, seinem Stromanbieter gleich über das Portal einen Wechselantrag zu schicken.

Besonders gut funktionieren all diese Punkte beim Testsieger Verivox.de, der als Einziger mit „Sehr gut“ abgeschnitten hat. Das Portal glänzte sowohl bei den Suchergebnissen als auch bei der Darstellung und dem Informationsgehalt zum Tarif. So wird hier zum Beispiel bei jedem Stromanbieter klar, wer dahintersteckt, ob Konzern oder kleiner Ökostromerzeuger. Überzeugen konnten aber auch Tarifvergleich.de, Toptarif.de und Wer-ist-billiger.de mit durchweg „guten“ Noten.

Welchen finanziellen Unterschied das Ergebnis eines „guten“ im Vergleich zu einem „mangelhaften“ Tarifrechner ausmachen kann, zeigt ein Beispiel: So bekommt eine Familie mit den besten Stromrechnern als günstigstes Angebot einen Tarif für 869 Euro im Jahr genannt, beim schlechtesten einen für 986 Euro. Möglicherweise verschenkt sie also fast 120 Euro im Jahr – beim Wechsel zum falschen Anbieter.

Unterschiede gibt es auch bei der Richtigkeit der Ergebnisse. Während bei Verivox.de 99 Prozent der Preise stimmten, waren andere weniger zuverlässig. Stromforyou.de etwa zeigte viele Tarife, die es gar nicht gab, weil sie veraltet waren oder im gesuchten Postleitzahlengebiet doch nicht angeboten wurden. Außerdem war dort im Schnitt jeder dritte Preis falsch, mit Abweichungen von bis zu 15 Prozent. Alle Tarifrechner weisen darauf hin, dass sie nicht für vollständige und richtige Tarifdaten garantieren. Im Grunde gehen sie mit dem Nutzer gar keinen Vertrag ein.

Finanzieren können sich die meisten Tarifrechner in erster Linie über Werbeeinnahmen und Branchendienste. Daneben erhalten sie Provisionen von Stromanbietern, wenn ein Kunde über ihr Portal wechselt. Eine Ausnahme machen Energieverbaucherportal.de und Stromtarife.de, sie verzichten auf solche Provisionen. Wie die Verträge zwischen Tarifrechner und Stromanbieter im Einzelnen zustande kommen, darüber schweigen sich die Partner aus. Es lassen sich aber teils rege Geschäftsbeziehungen erkennen. So hatte etwa Wer-ist-billiger.de im April eine exklusive Aktion mit den Stadtwerken Düsseldorf, durch die Kunden beim Abschluss über diesen Rechner 50 Euro Bonus erhielten. Und bei Energieboerse-deutschland.de leuchtet neben der Ergebnisliste die Werbung eines Stromanbieters. Dass Stromanbieter wegen Provisionen weiter oben in der Ergebnisliste auftauchen, konnten die Tester aber nicht feststellen. Yasmin El-Sharif

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