Verbraucher : Unter die Haut

Mathias Klappenbach

Das Testurteil: 9 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen Tomatenschäler

Die Frage, ob man für alles ein Gerät oder ein Gerät für alles braucht, kann der ambitionierte, aber unerfahrene Hobbykoch nur so beantworten: Ich brauche mehr Küchenhelfer! Speziell für „heikle Früchte und Gemüsesorten“, so steht es drauf, hat die Schweizer Firma Zyliss jetzt einen innovativen Tomatenschäler entwickelt. Heikel heißt in diesem Fall weich. Gerade weiche Haut braucht eine sanfte Rasur, deshalb hat das neue Gerät im Gegensatz zum alten Sparschäler einen flexiblen Schwingkopf. Beim Test an einer im Kühlschrank gelagerten, noch nicht ganz reifen Tomate fährt die Klinge so hauchdünn unter die Haut, dass wir weder der Tomate noch uns selbst ins Fleisch schneiden. Der abgewinkelte, der natürlichen Schälhaltung nachempfundene Griff erfüllt nicht nur seine Sicherheitsfunktion. Er vollendet auch das modern-funktionelle Design des Spezialgerätes, mit dem Schälen endlich Spaß macht.

Früher hat die Oma immer gemeckert, dass trotz endloser Bemühungen mit dem Schälmesser noch so viel Kartoffel an den Schalen war. Wo doch auch sie schon wusste, dass gerade dort die Vitamine sind. Jetzt langweilen Aprikosen, Kiwi und Äpfel schon nach kurzer Zeit, weil sie so schnell enthäutet sind. Auch Saftorangen sind kein wirkliche Herausforderung, das Helferlein befreit sie ohne Kraftaufwand und so flüssig von ihrer harten Hülle, dass im Schälwahn kurz Gedanken an eine Ananas aufkommen.

Aber es gibt noch mehr auszuprobieren, keine Spezialisierung ohne Zusatzfunktion: Mit der kleinen, scharfen Stahlspitze lassen sich „Produktmakel“ entfernen. Damit sind jene unschönen Stellen gemeint, die entstehen, wenn schon zu viele Menschen das Obst oder Gemüse nach intensiver Prüfung für nicht kaufwürdig befunden haben oder wieder der halbe Einkauf mitten auf der Kreuzung hinten aus dem Fahrradkorb gerollt ist. Auch die Schönheitsoperationen mit der Spitze gelingen mühelos, man sieht kaum, dass überhaupt operiert wurde.

Ein Leben ohne den Tomatenschäler, der ab Mai für 7,95 Euro erhältlich ist, erscheint nach den Tests ein kleines bisschen weniger lebenswert. Er ist eine Innovation, die dem Hobbykoch in seiner Entwicklung weiterhilft. Derjenige, der zwar weiß, was blanchieren heißt, sich dabei aber immer die Finger verbrannt hat, kann sich nun auf den Versuch konzentrieren, aus den unverhofft vielen Schälresten etwas zu Essen zu kochen. Zudem wurde im Griff ein kleines Loch gelassen, damit man den Tomatenschäler in die repräsentative Reihe neben all die anderen bewährten Küchenhelfer hängen kann.

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