Verbraucher : Wenn aus Gewinnen Verluste werden

Henrik Mortsiefer

Die Börse braucht Meilensteine. Die Marke von 7000 Dax-Punkten war im Februar ein solcher Meilenstein für die Anleger. Am Montag schloss der Dax bei 7027 Zählern – so hoch wie zuletzt im November des Boomjahres 2000. Innerhalb eines knappen Monats hatten die 30 Schwergewichte im Deutschen Aktienindex damit 3,5 Prozent oder rund 240 Punkte zugelegt. Der Aktienindex erzielte damit schneller als viele Banken erwartet hatten einen neuen Rekord.

Doch wie im richtigen Leben setzte nach Erreichen der psychologisch wichtigen Wegmarke Ratlosigkeit ein. Was ist das nächste Ziel? Wie weit steigen die Kurse? Ging der Aufschwung zu schnell? Die Antwort kam aus China: Der massive Kursrutsch in Schanghai heizte am Dienstag die Nervosität der Investoren weltweit an. Am Mittwoch schmolz der Monatsgewinn des Dax zusammen und verwandelte sich in ein kleines Minus.

Vergleichsweise stabil hielt sich die VW-Aktie. Sie profitierte von der Ankündigung, dass der Nutzfahrzeughersteller MAN seinen Anteil am Volkswagen-Konzern nun auf 29,9 Prozent erhöht hat. Damit wird zugleich eine einvernehmliche Lösung für die Fusionskandidaten MAN und Scania wahrscheinlicher, die VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch anstrebt. VW entzog sich dem Abwärtssog und rettete an der Dax-Spitze einen Monatsgewinn von 14,2 Prozent. Damit war die Autoaktie, die im Januar noch unterdurchschnittlich gelaufen war, im Februar die einzige, die einen zweistelligen Prozentgewinn verbuchen konnte. Daimler- Chrysler kam mit einem Gewinn von 9,4 Prozent auf Rang drei. Anleger spekulieren auf eine Abspaltung der Problemtochter Chrysler, die dem Premiumhersteller mehr Spielraum geben könnte.

Erfreulich fiel auch die Bilanz des Touristikkonzerns Tui aus, der im Januar schon zu den Favoriten gezählt hatte und im vergangenen Monat 9,7 Prozent zulegte. Mit Verkäufen im Containerschiffbereich hat das Unternehmen seine Schuldenlast deutlich reduziert. Analysten gefällt die Schlankheitskur.

Unter teils kräftigen Gewinnmitnahmen litten hingegen die Schlusslichter Henkel (minus 11,6 Prozent), Deutsche Bank (7,6 Prozent) und Linde (minus 6,2 Prozent). Insbesondere die Deutsche Bank glänzte im vergangenen Jahr: Ein Überschuss von knapp sechs Milliarden Euro (plus 68 Prozent) und eine Eigenkapitalrendite, die das von Josef Ackermann angepeilte Ziel von 25 Prozent übertroffen hat, begeisterten die Börse. Anleger machten aus Buchgewinnen Bargeld. Das drückte den Kurs.

Mit Ausnahme der Versicherer Allianz und Münchener Rück erging es den anderen Finanzwerten im Dax nicht besser. Die Branche, die besonders vom Konjunkturaufschwung und den steigenden Aktien profitiert, stand nach kräftigen Kursgewinnen in den Vormonaten im Februar auf der Verkaufsliste der Anleger.

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