Verbraucher : Wie Sie privat vorsorgen können Zusatzversicherungen verringern die Pflegelücke

Andreas Kunze

Über zwei Millionen Bundesbürger sind derzeit als Pflegefall im Sinne der Sozialversicherung anerkannt. Etwa jeder Vierte davon wird in einem Heim betreut, weiß das Statistische Bundesamt. Zwar hilft seit 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung mit einer Grundversorgung. Vor allem aber, wenn der Weg ins Heim unausweichlich geworden ist, reicht das Geld vorne und hinten nicht.

Der Medizinische Dienst stuft Patienten in drei Pflegestufen ein. Nach der jeweiligen Stufe richtet sich der Anspruch auf Geld von der gesetzlichen oder privaten Pflegekasse. Ein Schwerstpflegebedürftiger erhält künftig bis zu 1470 Euro. Das klingt nach viel. Ein entsprechender Heimplatz kostet jedoch rund 3000 Euro monatlich. Wer ein großes Vermögen hat, kann diese Lücke auch ohne Zusatzversicherung schließen. Ist das Geld aufgebraucht, springt das Sozialamt ein. Das nimmt aber später Regress bei Angehörigen. Wer das vermeiden möchte, kann zwischen drei Varianten der privaten Vorsorge wählen:

Die Pflegerentenversicherung: Sie ist gekoppelt an eine Lebens- oder Rentenversicherung. 1000 Euro Monatsrente kosten einen jungen Mann etwa 20 Euro monatlich – zusätzlich zu der Prämie zur Lebens- und Rentenversicherung. Insgesamt entsteht eine Beitragslast, die etwa bei Arbeitslosigkeit möglicherweise nicht mehr getragen werden kann. Das Problem: Wer wegen eines Engpasses den Hauptvertrag kündigt, verliert auch den Pflegeversicherungsschutz.

Die Pflegekostenversicherung: Sie erstattet nachgewiesene Kosten, die nicht von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen werden. Oder der Kunde erhält beispielsweise die Zusage, dass die Leistung der Sozialversicherung verdoppelt wird, maximal bis zu den tatsächlichen Kosten. „Der Vorteil bei einer prozentualen Leistung besteht darin, dass sie inflationssicher ist“, sagt Michael Kronenberg, gerichtlich zugelassener Versicherungsberater. „100 Prozent sind auch in 20 Jahren noch 100 Prozent“, sagt Kronenberg.

Die Tagegeldversicherung: Für jeden Tag als Pflegefall zahlt die Versicherung den vereinbarten Betrag, zum Beispiel 50 Euro. Liegen die tatsächlichen Pflegekosten darunter (etwa weil Angehörige mithelfen), bleibt vielleicht sogar noch was übrig, um sich das Leben ein wenig angenehmer zu gestalten. Andererseits: Sollten sich die Pflegekosten etwa durch Inflation dramatisch erhöhen, kann die heute vereinbarte Festsumme später zu wenig sein.

Die Tücken bei den Vertragsgestaltungen sind vielfältig: So gibt es manchmal bei Pflegestufe I gar nichts oder der Versicherte muss Abschläge bei häuslicher Pflege hinnehmen. Und: Bei der Einstufung sollte die private Versicherung möglichst ohne weitere Untersuchung die Stufe der gesetzlichen Pflege anerkennen – das vermeidet Streit. Andreas Kunze

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