Welt : 13-jähriger Radfahrer umgebracht - Täter festgenommen

Einer unbedeutenden Rempelei folgte der tödliche Schlag mit der Schnapsflasche: vor fünf Jahren musste ein 13-Jähriger aus Unterwellenborn in Thüringen sterben, weil er einen Mann mit seinem Fahrrad angestoßen hatte.

Ein 40-Jähriger gestand jetzt nach seiner Verhaftung, den Jungen am 8. September 1994 getötet zu haben. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Saalfeld mit. Der Geständige sei am Mittwoch festgenommen worden. Am Donnerstag erging Haftbefehl. Die sterblichen Überreste des Jungen waren 1996 in einer Scheune in Oberwellenborn gefunden worden, in der der Täter nach eigenen Angaben die Leiche versteckt hatte.

Der Junge habe den 40-Jährigen am damaligen Abend auf der Rückfahrt von einem Schulfreund auf einem Feldweg mit dem Fahrrad angerempelt, berichteten die Ermittler. Darüber sei der Betrunkene so sehr in Wut geraten, dass er mit der Flasche zugeschlagen habe. Anschließend habe er das Kind in der Feldscheune vergraben und das Rad in den nahegelegenen Angerteich geworfen.

Nachdem die Ermittlungen längere Zeit ruhten, nahmen die Beamten sie Anfang September dieses Jahres mit Hochdruck wieder auf.

Zeitweise bis zu 60 Beamte und Kriminaltechniker befassten sich in einer Sonderkommission mit dem Fall.

Viele besorgte Eltern in der Region äußerten sich nach der Verhaftung des Geständigen erleichtert. Der 27 Jahre alte Bruder des Opfers war noch vor den Medien über den Ermittlungserfolg informiert worden. Er ist der Einzige noch Lebende aus einer vom Schicksal unbeschreiblich hart getroffenen Familie. Seine Mutter und Schwester wurden im Januar 1996 ermordet. Der Täter wurde verurteilt und sitzt noch im Gefängnis. Der Vater war einer Krankheit erlegen, eine Großmutter kam bei einem Wohnungsbrand ums Leben.

Ohne die Aufklärung des Falles wäre die Region nicht zur Ruhe gekommen, sagte Saalfelds Kripo-Chef Michael Menzel. "Wir konnten nicht akzeptieren, dass der Täter frei umherlief", meinten einige Kriminalbeamte, die zahlreiche Zeugenaussagen nochmals zu einem detaillierten Bild zusammengefügt hatten.

Menzel zufolge saß der Täter schon einmal wegen versuchten Mordes und Diebstahls in Haft. Wegen dieser Taten sei er inzwischen nicht mehr vorbestraft. Mit seiner "Handschrift" habe er die Polizei aber auf seine Spur gebracht.

Die Ermittler hatten in ihrem Besprechungsraum ein Bild des ermordeten Jungen aufgehängt. Es wurde am Freitag von der Wand genommen. Anschließend fuhr eine Hauptkommissarin zum Grab des Jungen und schmückte es mit einer roten Rose mit Trauerflor.

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