Welt : Abgehärtet und ausgeblasen

Zu Ostern dreht sich alles ums Ei. Ob gelb marmoriert oder rot gefärbt – für viele Menschen beginnt jetzt eine fröhliche Woche

Deike Diening

Von Deike Diening

Dass zu Ostern einmal Jesus auferstanden sein soll, ist für jeden zweiten Deutschen nicht mehr wichtig. Das sagt jedenfalls eine aktuelle polis-Umfrage. Für die andere Hälfte des Landes bedeutet Ostern hauptsächlich folgendes: Eine einzige große Eier-Feier. Gutes Essen und Trinken ist wichtig (73 Prozent), ein harmonisches Familienfest (81 Prozent), ein schöner Kurzurlaub (30 Prozent). Süßes, Ferien und Spaß also, und ein Drittel der Deutschen erwartet Geschenke. Auch ohne den päpstlichen Segen „urbi et orbi“ (der Stadt und der Welt) ist Ostern für viele eine Gelegenheit, im Frühling ein Fest zu begehen. Vielleicht liegt das auch daran, dass Ostern sehr viel weniger unter verwandtschaftlichem Erwartungsdruck steht als zum Beispiel Weihnachten. Da gehört der Eklat ja fast schon zum guten Ton. Vom Wetter ganz zu schweigen.

„Ich wollt’ ich wär ein Huhn, dann hätt’ ich nichts zu tun,“ wird mancher vor sich hin summen. Doch im Vergleich zu Weihnachten bedeutet die Osterzeit für die wenigsten Menschen Stress. Die meisten geraten in geradezu freudige Dekorationslaune und das ganz freiwillig. Dabei besinnen sie sich aufs Eigentliche – das Ei.

Länger schon wird empfohlen, beim Färben natürliche Farben zu verwenden, denn dann gelangen auf keinen Fall Farb- und Schadstoffe ins Innere. Und gefärbt werden können ausgeblasene Eier – oben und unten ein kleines Loch in die Schale pieksen, einmal mit der Nadel den Inhalt rühren und kräftig pusten – und hart gekochte Eier.

Es empfiehlt sich, den Färbesud in alten Töpfen oder Kaffeekannen zu kochen, denn manchmal entwickeln die Naturfarben eine ganz hausfrauenfeindliche Hartnäckigkeit. Zur Herstellung des Suds kocht man dann eine halbe Stunde zwei Hand voll Zwiebelschalen (färben rotbraun), eine Knolle geraspelte Rote Beete (hellviolett) oder zwei Hand voll Kamillentee (grünlich-gelb). Die Eier darin hart kochen und über Nacht auskühlen lassen. Eine Viertelstunde kocht man 100 g Kurkumapulver (färbt gelb), zwei Hand voll frische Spinatblätter (grün) oder frische Karottenschalen (gelblich). Auch hierin die Eier kochen und über Nacht auskühlen lassen.

Eine besondere Raffinesse beweisen diejenigen, die auch das gekochte Ei hinter der Schale färben. Das geht so: Nach dem Kochen die Schale leicht eindrücken und dann mit natürlichen Farben färben. Durch die Risse gelangt die Farbe in das Innere. Nach dem Pellen erscheint – ein dekoratives Marmorei.

Mit etwas Essig im Farbsud halten die Farben länger. Wer ein glänzendes Glamour-Ei will, muss es mit einer Speckschwarte einreiben. Hart gekochte Eier halten 20 Tage im Kühlschrank und fünf Tage im Osternest.

Die Masse vom Eierausblasen sollte nicht bei Zimmertemperatur stehen gelassen werden, denn möglicherweise vorhandene Salmonellen verdoppeln sich dann alle 20 Minuten. Am besten ist, sie gleich zu Omeletts oder Rühreiern zu verbraten. Aus den gekochten Eiern gibt es in den Wochen nach Ostern Eiersalat, gefüllte Eier, Brot mit Eigarnitur. Sie haben jetzt Angst vor Cholesterin? Völlig ei-nerl-ei, sagen amerikanische Studien. Jedenfalls für gesunde Menschen. Ein Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Eierkonsum konnte nicht grundsätzlich nachgewiesen werden. Einzig Cholesterinempfindliche und Diabetiker müssen sich vorsehen.

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