Welt : „Ach, Sir, eine Frage hätte ich da noch“

Peter Falk, der Darsteller des Detektivs „Columbo“, ist nach langer Krankheit gestorben

Typische Pose. Der Fernseh-Polizist Columbo zermürbte Verdächtige mit seiner Harmlosigkeit und vorgeblichen Zerstreutheit. Die Rolle machte Peter Falk berühmt. Foto: pa/obs
Typische Pose. Der Fernseh-Polizist Columbo zermürbte Verdächtige mit seiner Harmlosigkeit und vorgeblichen Zerstreutheit. Die...Foto: picture-alliance/ obs

Verdammt, hat der Typ genervt! Man bekam direkt Mitleid mit den Tätern, auch wenn sie noch so sadistische Morde begangen hatten. Am Ende stand dieser kleine, zerknautschte Polizist vor dem Delinquenten, rieb sich das unrasierte Kinn und setzte noch einmal nach: „Ach, Sir, eine Frage hätte ich da noch …“ Irgendwann gab der Täter auf, einfach weil sein Nervenkostüm zerstört war.

Peter Falk verkörperte eine vollkommen neue Art von Polizisten, als er 1968 erstmals in die Rolle von Lt. Columbo schlüpfte. Kein strahlender Held, sondern „er sah wie ein Flutopfer aus“, beschrieb ihn Peter Falk selber. Seine Fälle löste er mit seinem ungeheuren Scharfsinn und einer sehr komischen Zermürbungstaktik.

Die Serie hatte einige Besonderheiten: Zum einen war sie mit 70 Minuten pro Folge ungewöhnlich lang für das amerikanische Formatfernsehen. Nahezu jede Episode konnte mit berühmten Gaststars wie Johnny Cash, William Shatner, Leslie Nielsen oder Patrick McGoohan auftrumpfen. Und dann wusste man als Zuschauer immer von Anfang an, wer der Mörder war. Die Spannung bestand darin, Inspector Columbo bei der Ermittlung zuzusehen. Denn Columbo segelte unter jedermanns Radar, klein, stämmig, ungekämmt, der Trenchcoat – später gesellten sich noch ein zerbeultes Peugeot-403-Cabriolet und ein Basset namens „Hund“ zu seinen Utensilien. So zerknittert wie das Gesicht lief er durch die Welt, als würde er nicht ganz dazu gehören.

Auch Peter Falk brauchte lange, um einen Platz in dieser Welt zu finden. Geboren am 16. September 1927 in New York City als Kind polnisch-jüdischer Eltern verlor er im Alter von drei Jahren sein rechtes Auge durch einen Tumor. Das Kneisten mit dem linken Auge sollte später zu einem Markenzeichen von Columbo werden.

Nach seiner Schulzeit trieb er sich auf der Straße herum, fuhr dann mit der Handelsmarine rund um die Erde und machte schließlich zwei Universitätsabschlüsse in Literatur- und Politikwissenschaft. Er bewarb sich erfolglos beim amerikanischen Geheimdienst CIA. Doch bereits seine ersten Schritte in Richtung Kinokarriere brachten ihm zwei Oscar-Nominierungen ein. 1960 wurde Falk als Killer Reles in dem Krimi „Unterwelt“ erstmals für einen Oscar nominiert. Schon ein Jahr später folgte dann die nächste Nominierung für seine Rolle in Frank Capras Gesellschaftskomödie „Die unteren Zehntausend“.

Doch im Fernsehen war mehr Geld zu verdienen, und der Aufstieg war leichter. Peter Falk war dafür bekannt, dass er anspruchsvoll war, kein leichter Mensch, gerade wenn es um Gagenverhandlungen ging. „Columbo“ wurde zu einem Experimentierlabor für den jungen, amerikanischen Hollywoodfilm. Unter anderem führten Steven Spielberg und Jonathan Demme Regie. „Columbo“ wurde in 27 Länder verkauft (in Deutschland, Frankreich und dem Iran war die Serie besonders erfolgreich) und gewann vier Emmys. Trotzdem wurde sie 1978 wurde nach sieben Staffeln mit 45 Folgen abgesetzt.

Danach konnte Falk endlich anspruchsvollere Rollen spielen: in Filmen von John Cassavettes, Robert Aldrich, Rob Reiner und Wim Wenders etwa. Er spielte in Wenders 1987 gedrehtem Film „Der Himmel über Berlin“ mit, in dem Otto Sander und Bruno Ganz zwei Engel verkörperten. Erst 1989 kehrte er zu der Figur des Columbo zurück und drehte bis 2003 noch einmal 24 Folgen.

Die letzten Jahre seines Lebens waren von Krankheit und Streit überschattet. 2008 wurde bekannt, dass Peter Falk an Demenz und Alzheimer litt. Seine Adoptivtochter Catherine erkämpfte gegen Falks zweite Ehefrau Shera Danese vor Gericht, dass ihr Vater unter Betreuung gestellt wurde. 2009 übernahm Shera Danese die Vormundschaft für Peter Falk. Mit ihr war er 33 Jahre verheiratet. Falk hat zwei Töchter aus seiner ersten Ehe mit der Pianistin Alyce Mayo. Am 21. Juni verstarb Peter Falk im Alter von 83 Jahren. Bekanntgegeben wurde die Nachricht jedoch erst am Freitag.

Eine Frage wurde freilich nie gelöst: Wie lautete eigentlich Columbos Vorname?

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