Adoption : Madonnas Adoptivsohn in London eingetroffen

Der Adoptivsohn von US-Superstar Madonna ist in Großbritannien eingetroffen. Am Morgen landete das Flugzeug mit dem 13 Monate alten Jungen an Bord auf dem Flughafen Heathrow.

London - Wenige Tage nach der Blitz-Genehmigung zur vorübergehenden Adoption eines Kindes aus Malawi ist der 13 Monate alte David bei der Popsängerin eingetroffen. Ein Privatflugzeug holte den afrikanischen Halbwaisen aus der malawischen Hauptstadt Lilongwe ab und brachte ihn in die britische Hauptstadt London, wie die BBC berichtete. Madonna darf den Jungen zunächst 18 Monate bei sich behalten; eine endgültige Adoptionsgenehmigung steht noch aus. Die schnelle Sondergenehmigung für den Weltstar löste in Malawi und Großbritannien heftige Kritik aus.

Der am Montagabend in Malawis Hauptstadt Lilongwe gestartete Privatjet traf am frühen Morgen auf dem Londoner Flughafen Heathrow ein. Fernsehbilder zeigten, wie der kleine David Banda von Madonnas persönlicher Assistentin über das Rollfeld zum Flughafengebäude getragen wurde. Er war mit Jeans-Shorts, einem weißen T-Shirt und einer Baseballmütze bekleidet und als Schutz gegen die Londoner Kälte und gegen die Blicke der Öffentlichkeit in eine Decke gehüllt. Sicherheitsleute des Flughafens, ein Bodyguard und weitere Mitarbeiter Madonnas versuchten das Kind gegen die wartenden Journalisten abzuschirmen. Der Junge wirkte trotz des langen Fluges ausgeglichen; er weinte nicht.

Reporter senden Live-Berichte von Madonnas Haus

Die von den Medien breit ausgewalzte Adoptionsgeschichte erreichte mit Davids Ankunft in London ihren vorläufigen Höhepunkt. Vor Madonnas Londoner Residenz standen Übertragungswagen bereit; Reporter aus Großbritannien und dem Ausland sendeten Live-Berichte von vor Ort. Als ein silbernes Auto mit verdunkelten Scheiben in die Garage von Madonnas viktorianischer Stadtvilla fuhr, stürzten sich die Fotografen auf das Fahrzeug. Passanten blieben stehen und machten Fotos mit ihren Handy-Kameras.

Die 48-jährige Madonna hatte vergangene Woche nach einigen Tagen Aufenthalt in Malawi die gerichtliche Genehmigung erhalten, den kleinen David Banda für zunächst 18 Monate bei sich aufzunehmen. Sein Vater hatte ihn nach dem Tod seiner Frau und der Erkrankung des Kindes in ein Waisenhaus gebracht. Der Zeitung "Mail on Sunday" hatte Yohane Banda gesagt, er habe der Adoption zugestimmt, weil sein Sohn dadurch eine Ausbildung erhalten und in Gesundheit aufwachsen könne. Malawische Menschenrechtsgruppen hatten angekündigt, gegen die Sondergenehmigung für den Weltstar zu klagen, denn normalerweise müssen Ausländer vor einer Adoption mindestens 18 Monate lang in Malawi gelebt haben.

Adoptionswunsch stößt auf viel Kritik

Madonna hatte in Malawi, einem der ärmsten Länder Afrikas, mit fünf Millionen Dollar den Bau eines Waisenhauses und andere Projekte finanziert. Ihr Adoptionswunsch ist für Kritiker in Großbritannien jedoch eine Mischung aus Egoismus und falsch verstandener Hilfsbereitschaft: Eine Adoption ändere das Leben eines Kindes, löse aber das Problem unzähliger Aids-Waisen nicht, erklärte die Hilfsorganisation Action Aid schon vergangenen Freitag.

Anna Feuchtwang von der Organisation Every Child sagte, internationale Adoptionen dürften nur das letzte Mittel sein. Die meisten Kinder seien in ihren eigenen Familien und ihrer eigenen Kultur besser aufgehoben, eine Verpflanzung in eine andere Welt sei potenziell traumatisierend. Jonathan Pearce von der Organistaion Adoption UK kritisierte, Madonnas Fall stelle die Adoption in ein falsches Licht: "Das weckt den Eindruck, dass man einfach losgehen und ein Kind kaufen kann."

Madonna ist mit dem britischen Regisseur Guy Ritchie verheiratet und hat bereits eine zehnjährige Tochter und einen sechsjährigen Sohn. Bevor Lourdes und Rocco den kleinen David als ihren Bruder bezeichnen können, benötigt ihre Mutter noch die endgültige Adoptionsgenehmigung aus Malawi. (tso/AFP)

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