Welt : Ägypten: Nackter als die Polizei erlaubt

Andrea Nüsse

Laufen Schönheitswettbewerbe und Parties von Homosexuellen den islamischen Sitten zu wider? Die ägyptische Sittenpolizei und der Großmufti des Landes sehen dies so und sind diese Woche dagegen eingeschritten. Skeikh Nasr Farid Wassel hat in einer Fatwa entschieden, dass Schönheitswettbewerbe, bei denen sich die jungen Damen halbnackt vor männlichen Richtern und den Weltmedien zeigen, gegen islamische Gesetze verstoßen. Der staatlich eingesetzte Mufti erklärte in seinem Gutachten, dass Frauen im Islam verpflichtet sind, ihre Körper zu bedecken - mit Ausnahme der Hände und des Gesichts.

Ägypten hatte vor einem Monat junge Frauen ausgewählt, die das Land bei den Schönheitswettbewerben der Miss Univerum, Miss World und Miss International vertreten. Die Sittenpolizei ist dagegen am Wochenende mit Hilfe von Kollegen der Staatssicherheit nur gegen Männer vorgegangen. Zehn Under-Cover-Agenten haben in der Diskothek des Nilschiffes "Queen Boat" 55 Männer festgenommen, denen vorgeworfen wird, die islamische Religion verspottet und sich sittenwidrig verhalten zu haben.

Die Diskothek des Schiffes, das gegenüber dem Mariott-Hotel in Kairo liegt, wird Donnerstag abends von Homosexuellen frequentiert. Homosexualität ist in Ägypten nicht gesetzlich verboten, wird aber mit dem Vorwurf des sittenwidrigen und obszönen Verhaltens strafrechtlich verfolgt. Aus dem Büro der Staatsanwaltschaft sickerte durch, dass den Männern "Gruppensex" und "abnormale Aktivitäten" vorgeworfen werden. In der Presse überschlugen sich die Schilderungen dessen, was auf dem Boot geschehen sein soll: Die offizielle Tageszeitung "Al Ahram" berichtete darüber, die Festgenommenen sähen den Poeten des 8. Jahrhunderts, Abu Nawwas, als ihren Propheten an und versuchten neue Mitglieder für ihren Saatanskult zu werben. Andere Blätter berichteten, dass auf dem Boot kürzlich eine Hochzeit zwischen zwei Homosexuellen zelebriert worden sein soll. Mehrere Zeitungen veröffentlichten die Namen der Männer.

In der Vergangenheit sind schon mehrfach Besucher der Diskothek auf dem "Queen Boat" festgenommen worden. In der Regel wurden sie nach drei Tagen Arrest in einer Polizeistation freigelassen. Diesmal wurden die Festgenommenen zur Staatsanwaltschaft gebracht. In einem ähnlichen Verfahren waren vor vier Jahren 78 Teenager der Oberschicht unter dem Vorwurf des Satanskults festgesetzt worden. Sie wurden nach zwei Monaten wieder freigelassen.

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