Ärztemangel : Chirurgenberuf für Studenten uninteressant

Nur noch fünf Prozent der Medizinstudenten entscheiden sich offenbar nach Ende ihres Studiums für den Chirurgenberuf. Wieder einmal ertönt die Warnung vor einem eklatanten Ärztemangel in Deutschland.

BerlinDie Gesellschaft für Chirurgie hat vor einem Ärztemangel in Deutschland gewarnt. "Nur noch fünf Prozent der Medizinstudenten entschließen sich nach dem Staatsexamen, Chirurgen zu werden. Wenn das so bleibt, fehlen in wenigen Jahren überall Fachärzte - eine qualitativ wertvolle Chirurgie ist dann nicht mehr möglich", sagte der Präsident der Gesellschaft für Chirurgie, Rainer Arbogast, in einem Zeitungsinterview. Hauptgrund ist Arbogast zufolge die schlechte Bezahlung: "Ein junger Chirurg verdient heute 3200 Euro brutto. Das ist einfach viel zu wenig - gemessen an den Belastungen, denen ein Chirurg ausgesetzt ist", so Arbogast.

In Großbritannien, Frankreich oder der Schweiz verdienten Chirurgen häufig mehr als doppelt soviel, sagte Arbogast. Als Gründe für die geringe Attraktivität des Berufes führte er unter anderem ungeregelte Arbeitszeiten an. Diese wären Arbogast zufolge für viele junge Menschen leichter zu ertragen, wenn die Kinderbetreuung gewährleistet wäre: "Mehr als sechzig Prozent der Medizinstudenten sind Frauen. Ein Großteil von ihnen geht uns verloren, weil sich die Frauen zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen und den Kindern oft den Vorrang geben" erklärte Arbogast im Gespräch mit der "Berliner Zeitung".

Die Gesellschaft für Chirurgie trifft sich am Dienstag zu ihrem Kongress in Berlin. Dabei geht es auch um den drohenden Mangel an geeigneten Fachärzten in Deutschland. (nim/AFP)

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