Amoklauf in Fort Hood : Kampfzone Heimat - wie die USA mit sich ringen

Nach dem Amoklauf in Fort Hood ringt die Nation um Fassung. Aber das politische Amerika ist gespalten wie eh und je. War eine posttraumatische Störung die Ursache? Der Täter hatte im Irak gekämpft.

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Militärpolizei riegelte das Gelände nach dem Amoklauf weiträumig ab.
Militärpolizei riegelte das Gelände nach dem Amoklauf weiträumig ab.Foto: dpa

Nach dem Amoklauf in Fort Hood, Texas, ringen die USA um Fassung. Die Tische im Steakhaus wurden eilig beiseite gerückt, das elegante Spenden-Dinner der Demokraten in Chicago fand am Mittwochabend abrupt sein Ende. Eigentlich war US-Präsident Barack Obama schon dabei gewesen, die versammelten Unterstützer zu verlassen, um zu einer weiteren abendlichen Runde mit Gönnern zu fahren, als ihn ein Mitarbeiter informierte. Wenig später trat Obama in seinem dunkelblauen Abendanzug vor einen schwarzen Vorhang. Zu seiner Rechten prangte groß die US-Flagge: „Unsere Herzen sind gebrochen“, sagte der US-Präsident erschüttert, „dass so etwas wieder passiert sein könnte“.

Schmerzliche Erinnerung an das Massaker am gleichen Standort

Der Amoklauf am Mittwoch Abend auf dem texanischen Armee-Stützpunkt Fort Hood weckt bei den Amerikanern schmerzliche Erinnerungen an das Massaker am gleichen Standort, als am 5. November 2009 der frühere Armee-Psychiater Nidal Malik Hasan 13 Menschen tötete und 32 andere verletzte. Im vergangenen Jahr  erschoss außerdem der Armee-Angestellte Aron Alexis zwölf Menschen auf einem NavyStützpunkt. Aron wurde von einer Polizeikugel getötet, Hasan im vergangenen Jahr zum Tode verurteilt. Die Nation ringt um Fassung.

Am Tag danach aber zeigt das politische Amerika auch, dass es in den Fragen, die nach jedem dieser Amokläufe gestellt werden, nicht zusammenkommt. Stolze Unterstützer des zweiten Verfassungszusatzes melden sich zu Wort und pochen auf das Recht eines jeden Amerikaners, Waffen zu tragen. Vertreter eines schärferen Waffengesetzes weisen darauf hin, dass der Schütze möglicherweise traumatisiert aus dem Irak zurückgekommen ist und sich dennoch eine Waffe kaufen konnte.

"Die Armee schützt uns"

„Die Armee schützt uns“, hieß es in vielen Kommentaren am Donnerstagmorgen, „aber sie kann sich selbst nicht schützen“. Der  Verteidigungsminister habe bereits vor zwei Jahren versprochen, die Sicherheitsrichtlinien für Armee-Stützpunkte zu überarbeiten, halten Kritiker Chuck Hagel vor. Passiert sei nichts. Die Bewaffnung von Soldaten auf den Stützpunkten müsse erlaubt werden.

Der Täter war 2011 für ein paar Monate im Irak. Er habe möglicherweise eine postraumatische Störung von dort mitgebracht, teilte ein Armeesprecher mit. Wie geht die Nation mit aus dem Krieg heimgekehrten Soldaten um? „Soldaten sind keine tickenden Zeitbomben“, sagt eine Armeepsychologin.

Der Täter hatte sich vor kurzem eine schwere Handfeuerwaffe gekauft

Der 34-jährige Soldat Ivan Lopez hatte sich den Berichten zufolge vor Kurzem eine schwere Handfeuerwaffe, eine 45-kalibrige Smith&Wessson gekauft. Mit der Waffe ist er am Mittwochabend auf das Gelände der Militärbasis gefahren. Erst ging er in ein medizinisches Gebäude und gab Schüsse ab. Dann stieg er in seinen Wagen und schoss von dort aus. Am Ende betrat er ein weiteres Gebäude, um dort Schüsse abzugeben. Als er von einer Militärpolizistin gestoppt wurde, erschoss er sich selbst. Soweit die Rekonstruktion der Armee. Bei dem Amoklauf erschoss Lopez drei Personen, 16 andere verletzte er. Ein behandelnder Arzt sagte am Donnerstag, dass es noch Verletzte in kritischem Zustand gebe.

Ein Militärsprecher sagte, man kenne noch kein Motiv. Dass Lopez einen terroristischen Hintergrund habe, schließt die Armee aus. Das FBI geht aber offenbar noch der Frage nach, ob der Soldat religiöse Gründe haben könnte. Bei Hasan hatten die Ermittler später herausgefunden, dass dieser sich nach und nach radikalisiert hatte.

Neben der Untersuchung auf eine posttraumatische Störung hat Lopez aber nach Angaben der Armee unter Verhaltensstörungen, Depressionen „und weiteren psychischen Problemen“ gelitten.

In Fort Hood sind insgesamt etwa 50 000 Soldaten und Angestellte stationiert. Es ist einer der größten Militärstützpunkte weltweit. Das Gelände ist sehr weitläufig, es befinden sich auch Bereiche einer Universität hier. Während der Schießerei war der Stützpunkt für fünf Stunden isoliert. Sirenen heulten, mit Lautsprecherdurchsagen warnte die Armee alle auf dem Stützpunkt sich befindenen Personen, Schutz zu suchen. Etwa 15 Minuten, nachdem Lopez den ersten Schuss abgegeben hatte, war die Militärpolizei am Ort. Amerika diskutiert jetzt, ob die tödlichen Schüsse hätten verhindert werden können.

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