Welt : An die große Glocke gehängt

BP hat einen neuen Absaugzylinder auf das Bohrloch gesetzt – Obama erlässt weiteres Moratorium

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Der neue Abdeckungszylinder vor der Montage am Meeresboden. Foto: dpa Foto: dpa
Der neue Abdeckungszylinder vor der Montage am Meeresboden. Foto: dpaFoto: dpa

Mit Skepsis hat die amerikanische Öffentlichkeit optimistische Ankündigungen des BP-Konzerns aufgenommen, er sei auf bestem Weg, den Ausfluss von Millionen Litern Rohöl in den Golf von Mexiko nach 83 Tagen zu stoppen. Parallel erließ die Regierung ein neues, leicht abgewandeltes Moratorium für Erkundungsbohrungen in der Tiefsee. Zuvor hatte ein Gericht das bisher geltende Verbot aufgehoben, weil es zu weit gefasst sei.

Am Montag hatte BP eine neue Absaugglocke über dem Unglücksbohrloch installiert. Sie soll die Übergänge zu den Steigleitungen, die das Öl zu Tankschiffen auf der Wasseroberfläche leiten, dicht abschließen und so verhindern, dass weiterhin größere Mengen des aus dem Meeresboden sprudelnden Öls ins Wasser geraten und die Umweltkatastrophe verschlimmern. Im Fall eines Erfolgs wäre der Ölfluss ins Meer zum ersten Mal komplett gestoppt, seit die Bohrplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April explodiert war. Am Dienstag testete BP mit Druckmessungen und Unterwasseraufnahmen, wie dicht die neue Glocke ist. Nach einer Reihe von Misserfolgen ist die Öffentlichkeit misstrauisch.

Seit der Explosion vor 83 Tagen fließen täglich mehrere Millionen Liter Rohöl in den Golf und bedrohen Meerestiere und Pflanzen. Zehntausende Menschen, die von Fischerei und Tourismus leben, haben ihre Arbeit verloren. Mehrere hundert Kilometer Küstenlinie in den vier Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida sind ölverseucht. Die Fischerei im Marschland um das Mississippidelta ist fast völlig zum Erliegen gekommen; zuvor erzeugte sie ein Drittel der heimischen Meeresfrüchte der USA. Im Golf von Mexiko ist etwa ein Drittel der Fanggründe gesperrt.

Auch wenn sich die neue Absaugglocke als dicht erweist, wäre das noch keine Dauerlösung für das Unglücksbohrloch. Bei schwerem Wetter müsste das Abpumpen des Öls über die Steigleitungen unterbrochen werden und müssten die Tankschiffe sichere Häfen anlaufen. Für den Sommer 2010 sagen die Meteorologen eine überdurchschnittliche Zahl von Wirbelstürmen voraus.

Der aktuelle Plan, das Bohrloch endgültig zu verschließen, setzt auf zwei Entlastungsbohrungen, die Ende Juli den ursprünglichen Bohrschacht einige hundert Meter unterhalb des Meeresbodens erreichen sollen. Durch diese Zugänge soll die Quelle mit schwerem Bohrschlamm verstopft und schließlich mit Zement versiegelt werden.

Nachdem ein Gericht in New Orleans das bisherige Verbot neuer Erkundungsbohrungen gekippt hat, erließ Innenminister Ken Salazar neue Ausführungsbestimmungen. Sie sind weniger streng und erlauben prinzipiell Erkundungsbohrungen, erlegen aber den Ölfirmen den Nachweis auf, wie sie bei einem ähnlichen Unglück eine Schädigung der Umwelt verhindern. Industrievertreter sagen, es sei kostspielig und zeitaufwändig, diese Sicherheitsvorkehrungen einzuführen. De facto bedeute die neue Regelung, dass es nicht so rasch wieder Erkundungsbohrungen geben werde. Vor dem Moratorium arbeiteten 33 Bohrplattformen vor der US-Küste in Wassertiefen von mehr als 170 Meter. Der Umsatz einer solchen Plattform samt der sie versorgenden Häfen beträgt eine Million Dollar pro Tag.

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