Arzneimittel : Im Drogenrausch durch Hustensaft

Rezeptfreie Hustenmittel mit dem Wirkstoff Dextromethorphan werden nach einem TV-Bericht in großem Ausmaß als Droge missbraucht. Bei Überdosis wirkt das Mittel wie LSD oder Opium. Eine Expertin fordert nun die Verschreibungspflicht der Medikamente.

HamburgNach einer neuen Erhebung des "Giftnotrufs Berlin" werden jedes Jahr zwischen zehn und 15 Patienten mit massiven Vergiftungserscheinungen durch Dextromethorphan (DXM) in Krankenhäuser eingeliefert, wie das NDR-Magazin "Panorama" berichtete. Die Dunkelziffer schätzt Ingrid Koch von der Notrufeinrichtung in der Hauptstadt auf das "Hundertfache". Die Expertin fordert daher eine Verschreibungspflicht, um dem Missbrauch Einhalt zu gebieten. Alles andere sei "sinnlos".

Laut "Panorama" schildern Jugendliche in Internetforen ihren Umgang mit dem gefährlichen Wirkstoff, der bei starker Überdosierung ähnlich schwere Rauschzustände wie LSD und Opium verursache. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn sicherte dem Bericht zufolge zu, es werde "den Fällen intensiv nachgehen". Die Behörde hielt allerdings bislang eine Verschreibungspflicht für DXM für überflüssig und sprach noch im August von "lediglich drei bis fünf Fällen pro Jahr".

Verband will DXM-Missbrauch prüfen

DXM ist dem Magazin zufolge Bestandteil der meisten Hustenmittel, die zur Zeit ohne Rezept in Apotheken verkauft werden. Der Wirkstoff ist demnach unter anderem in "Wick Husten-Sirup", "Ratiopharm Hustenstiller" oder "NeoTussan Hustensaft" enthalten. Mehrere Hersteller betonten laut "Panorama" auf Anfrage, ihre Hustenmittel seien sichere Medikamente. Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller, Bernd Eberwein, sicherte den Angaben zufolge eine Prüfung der Faktenlage zu.

Anders als in Deutschland werden laut "Panorama" in den USA die Folgen des DXM-Missbrauchs amtlich erfasst. Die US-Arzneimittelbehörde FDA registrierte demnach bislang fünf Todesfälle und warnt zudem, der Wirkstoff könne "Hirnschäden, epileptische Anfällen und Herzrhythmusstörungen" verursachen. (mit AFP)

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