Welt : Aus den Tiefen der Unterwelt

Beyoncé startete ihre Deutschlandtour – und liegt in den Charts auf Platz eins

Ulrich Rüdenauer[Frankfurt]

Es gab Zeiten, da schwebte sie vom Bühnenhimmel herab. Diesmal öffnet sich die Unterwelt, es gleißt und glitzert, und die derzeit strahlendste Gestalt des Pop-Business steigt aus den Tiefen der Frankfurter Festhalle herauf ins Rampenlicht, das ihr Paillettenkleid funkeln lässt wie die Kronjuwelen der Königin. So verharrt sie einen Augenblick, lässt sich bewundern, nimmt die spitzen Schreie der Fans entgegen wie Huldigungen, Gunstbeweise, Göttinnengaben. Dann lüftet sich hinter ihr der Vorhang, und eine wild leuchtende, immer wieder Form und Farbe wechselnde Treppenkulisse kommt zum Vorschein. Die Band hat sich dort schon postiert und lässt keinen Zweifel daran, dass in dieser Walpurgisnacht ausschweifend in den Mai getanzt werden soll: Beyoncé bewegt sich wie eine wild gewordene Olympia, puppenhaft ungelenk, um sich dann von der bouncenden Musik in den richtigen Groove schwingen zu lassen.

Der Tourauftakt von Beyoncé Knowles, mehrfache Grammy-Gewinnerin und obendrein ambitionierte Schauspielerin, hat ein Thema: Perfektion. Kein Schritt ist hier dem Zufall und kein Ton der Improvisation überlassen, keine Haarsträhne fällt ohne Absicht vor die effektvoll geschminkten Augen, und keine Träne kullert ohne Hintergedanken. Die Pausen, in denen Miss Knowles die Kleider wechselt, sind mit Muckermusik und Balletteinlagen gefüllt. Es gibt bei einem solchen Konzert keinen Leerlauf, nur geplante Überraschungen. Selbst als Beyoncé gerührt verkündet, ihre neue Single „Beautiful Liar“ sei just gerade eben auf Platz eins der deutschen Single-Charts gelandet, und sich artig bei ihren Fans bedankt, hat das etwas Folgerichtiges – eine weitere Trophäe, die diesem Glückskind des Pop zum Tourstart einfach nicht vorenthalten werden durfte.

Beyoncés Show ist makellos wie ihre Schönheit: eine Reise durch die imposante Werkgeschichte einer jungen Frau, die schon zehn Jahre lang ganz oben steht; ein grandioser choreografischer Exzess, wackelnde Hintern und knappe Kleidchen aus der eigenen Modelinie. „Ich glaube, Gott will, dass wir unsere Körper feiern“, hat sie einmal verkündet.

Beyoncé in Berlin: Sonntag, 13. Mai, 20 Uhr, Max-Schmeling-Halle

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