Australien : Die Haie sind los

Experte: Die Räuber greifen neuerdings den Menschen an, weil der ihnen die Nahrung entzieht

Roland Knauer
Weißer Hai Foto: dpa
Ist der Weiße Hai gefährlicher als gedacht? -Foto: dpa

An Australiens Badestränden geht die Angst vor dem Weißen Hai um: Eine Serie blutiger Angriffe auf Surfer und Schnorchler ist mitten in den Sommerferien auf der Südhalbkugel zum beherrschenden The ma geworden. Erschreckend ist vor allem, dass ein Mann verschwunden ist, der möglicherweise mit Haut und Haaren von einem Weißen Hai verspeist wurde. Bisher haben Surfer, Schwimmer und Taucher wie auch Forscher immer argumentiert, dass der Mensch nicht ins Beuteschema des Hais passt, nicht zur Nahrungskette gehört und dass der Mensch dem Hai nicht schmeckt. Jetzt hat ein Experte erstmals Zweifel geäußert. „Das wird noch schlimmer“, sagte der australische Haifischjäger Vic Hislop über die Haiattacken. Ursache sei die zunehmende Überfischung der Gewässer, durch die den Haien die Nahrungsgrundlage entzogen werde, warnt der Experte. „Die Menschen sind die nächsten in der Nahrungskette.“

Kann es sein, dass der Mensch demnächst zur Beute wird, weil er dem Hai die Nahrung aus dem Meer entzieht?

Als der Surfer Syb Mundy bei einer der Attacken seine 13-jährige Cousine aus dem Maul eines Weißen Hais zog und ihr das Leben rettete, schauderte wohl mancher Leser dieser Nachricht. Aber die meisten Experten sind weiterhin der Meinung, dass die Haie den Menschen meiden. Der Präsident der Haischutzorganisation „Sharkproject“ in Offenbach, Gerhard Wegner, erklärt, warum es zu tödlichen Haiangriffen kommt. Die Opfer verbluten normalerweise, weil der Hai ihnen Arterien aufgerissen hat. „Wir kennen keinen Fall, bei dem ein Mensch nachweislich von einem Hai gefressen wurde“, erklärt Gerhard Wegner, dessen Organisation eng mit Haiforschern in Südafrika zusammenarbeitet. Normalerweise seien Haie sehr scheu und schwimmen Menschen aus dem Weg.

Selbst erfahrene Taucher sehen die Räuber der Meere daher nur sehr selten und dann meist aus großer Entfernung. „Das Blut von Makrelen oder auch von Robben lockt Haie regelrecht an, Menschenblut aber scheint ihnen völlig egal“, schildert Gerhard Wegner Experimente vor den Küsten Südafrikas.

Manchmal aber kommt es trotzdem zu einer überraschenden Begegnung. Dann testet der Hai durchaus, ob der Schwimmer oder Surfer als Beute taugt. Weil seine Geschmacksorgane vor allem im Gaumen sitzen, schließt er dazu einfach sein Maul um den Menschen oder um Arme und Beine, ohne zuzubeißen. Damit prüft er, ob er das Fleisch wirklich will. Normalerweise lässt er die unbekannte Beute dann wieder los, weil Menschenfleisch nicht zu seiner Nahrung gehört. Vorher aber versucht wohl jeder Mensch, um dessen Arm oder Bein sich ein Hai gebiss schließt, die Gliedmaßen aus dem Rachen des Fisches zu reißen. Genau dabei aber verletzen sich die meisten Opfer an den messerscharfen Zähnen. Wird dabei wie häufig eine Arterie verletzt, verblutet der Betroffene, wenn er nicht rasch Hilfe bekommt. Gewissermaßen ist also der Mensch schuld, wenn er sich an den Zähnen des Hais verletzt.

Auch wenn Verletzungen oder gar Todesfälle durch solche unglücklichen Begegnungen zwischen Mensch und Hai extrem selten sind, ein kleines Risiko bleibt. Das aber kann ein Schwimmer oder Surfer weiter verringern, wenn er zum Beispiel nicht ins Wasser geht, wenn dort bereits mehrere Haie schwimmen. Vor allem in Gruppen werden die Tiere risikobereiter und probieren ihren Gaumenbiss häufiger.

Vor Flussmündungen sollte man ebenfalls nicht ins Meer, weil dort viel Plankton im Wasser schwimmt, von dem sich viele Fische ernähren, die ihrerseits Haie anlocken. Vor allem aber sollte man nie allein ins Wasser. Wenn es nämlich zu einem Unglück kommt, wird ein Begleiter leicht zum Lebensretter, der Hilfe holen oder den Blutfluss stillen kann. (mit AFP)

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