Welt : Banken in der Londoner City lockern die Kleidervorschriften

Pauline Damour

Eine E-Mail Mitte März an die Mitarbeiter verkündete die kleine Revolution: Der strenge Anzug oder das klassische Kostüm sind in der Londoner Filiale des US-Bankhause Lehman Brothers nicht mehr Pflicht. "Wir dachten, unsere Angestellten sollten auch bei der Kleidung flexibler sein", begründet der Sprecher des Bankhauses, John Godfrey, den Schritt. Unternehmen mit amerikanischem Mutterhaus waren die ersten, die im Frühjahr die Kleidervorschriften in der Londoner City zu lockern begannen.

Vorbote war der "casual friday", der in vielen Firmen bereits seit Jahren zumindest kurz vor dem Start ins Wochenende etwas legere Klamotten erlaubt. "Und warum sollte der Freitag anders sein als alle anderen Tage", meint der Sprecher von Lehman Brothers. Die Direktion von Goldman Sachs sieht das ähnlich und hofft, dass die neue Kleiderfreiheit sich positiv auf die Motivation und Produktivität der Bankmitarbeiter auswirkt. "Und glücklicher sind wir auch", scherzt der Börsenmakler Ian. Er zumindest ist froh, nicht mehr jeden Morgen mit dem Krawattenknoten kämpfen zu müssen.

Doch völlig freie Hand haben die Londoner Banker immer noch nicht: Shorts, Turnschuhe oder Haare bis zum Po sind auch weiterhin tabu, wie ein Wirtschaftsexperte der Canadian Imperial Bank of Commerce erläutert. "Man kann nicht in Jeans und T-Shirt kommen." Und für Termine mit Kunden empfehlen die Bankchefs ihren Untergebenen nach wie vor den traditionellen Anzug. Einige Banken legten einen regelrechten Kleider-Kodex vor. Bei der Canadian Imperial Bank of Commerce gibt es zum Beispiel ein Verbot für alle bunt bedruckten Kleidungsstücke, wie eine junge Angestellte aus den internen Vorgaben verrät. Trotzdem überlegt sie, ob sie es diesen Sommer dennoch wagen soll die "süße Hose mit dem Vichy-Karo", die sie als Schnäppchen erstand, nicht auch mal ins Büro anzuziehen.

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