Welt : Bei dem hypermodernen Probezug versagten alle drei Bremssysteme

Einen Tag nach dem schweren Kölner U-Bahn-Unfall mit 67 Verletzten haben die Experten weiter darüber gerätselt, wie bei dem von Siemens hergestellten Unglückszug gleich drei Bremssysteme auf einmal versagen konnten. "Es gibt niemanden, der sich an so ein dreifaches Versagen erinnern kann", sagte am Dienstag ein Sprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die den Zug mit dem Namen "City Sprinter" seit Mitte Juli testeten. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von KVB, Siemens und Polizei hatten auch die Hersteller keine Erklärung parat. Die Staatsanwalschaft Köln ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung. Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt sagte, es sei aber noch nicht klar, ob sich die Ermittlungen gegen die KVB oder gegen die Siemens AG richten werden.

Am Nachmittag sollte mit der Auswertung des Fahrtenschreibers begonnen werden. Sie werde jedoch "nicht so schnell" abgeschlossen sein, sagte Appenrodt. Der Fahrer konnte zunächst nicht gehört werden, da er zu den Schwerverletzten gehört. Der "City Sprinter" war am Montag nachmittag in einer unterirdischen U-Bahn-Station auf eine stehende Bahn aufgefahren. Dabei wurden nach Angaben der Feuerwehr 67 Menschen verletzt, sieben davon schwer. Der Betrieb auf der Unglücksstrecke konnte am Morgen nach schwierigen Bergungsarbeiten wieder aufgenommen werden.

Der "City Sprinter" war von Siemens auf der Firmenteststrecke in Mönchengladbach auf seine Eignung überprüft und anschließend von der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) des Landes Nordrhein-Westfalen für den vorläufigen Betrieb in Köln freigegeben worden. Nach Plänen der KVB sollte der "City Sprinter" in drei bis vier Jahren ältere Stadtbahn-Fahrzeuge ersetzen. Der Siemens-Bereichsleiter für Nordrhein-Westfalen, Gerd Bieker, sagte, nach dem bisherigen Kenntnisstand müsse die Unfallursache wohl im technischen Bereich des Zuges liegen. Nach Angaben des KVB-Sprechers steht fest, dass der "City Sprinter" Zug ungebremst auf den stehenden Zug auffuhr. Bei dem High-Tech-Fahrzeug sei wenige Stunden zuvor ein Fehler im Antriebssystem bemerkt und behoben worden. "Ob dieser Fehler mit dem Unfall zusammen hängt, ist noch völlig unklar", sagte der KVB-Sprecher.

Nach Angaben von Siemens fahren Züge mit einer technisch ähnlichen Systematik derzeit auch in Stuttgart. Ob der Unfall in Köln das Aus für die Neuentwicklung bedeute, könne jetzt noch nicht gesagt werden. Sowohl Siemens als auch die KVB wollen erst einmal die Untersuchungen abwarten.

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