Berlin-Mitte : Hochzeits-Party in der Britischen Botschaft

"Deutschland ist heute ein Teil Großbritanniens", sagte der britische Botschafter Simon McDonald. Und entsprechend groß war der Andrang in der Botschaft.

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Auch in der Britischen Botschaft in Berlin gab es eine Hochzeitsparty.
Auch in der Britischen Botschaft in Berlin gab es eine Hochzeitsparty.Foto: dpa

Eine Schrecksekunde gab es, als unmittelbar vor dem Ja-Wort in der britischen Botschaft die Fernseher ausfielen. Bild und Ton kamen glücklicherweise gleich wieder zurück, und so wurde es doch noch eine perfekte Hochzeitsparty. Wie wohl in allen britischen Botschaften auf der Welt sprach der Botschafter nach der Zeremonie den Toast auf das junge Paar: „To their Royal Highnesses the Duke and Duchess of Cambridge“. Der Chor sang „Land of Hope and Glory“ und „Rule Britannia“ und manche der Gäste, vielleicht angeregt vom Wein des Hochheimer Königin-Viktoriaberg, den Prinz Williams große Ahnin 1845 selbst besucht hat, sangen inbrünstig mit.

„Es ist, als sei man direkt dabei gewesen“, sagte Sarojini Seeneevassen-Frers, Botschafterin von Mauritius. Für ihre Kollegin aus Jamaica, Joy Wheeler, war das Gefühl vorherrschend, Teil von etwas ganz Besonderem zu sein. Beide Länder gehören zum Commonwealth. Viele Gäste waren festlicher gekleidet als sonst zum Jahresempfang der Briten. „Hut wäre korrekt“, befand Ereignis-Expertin Isa Gräfin von Hardenberg. Lady Angela Torry, die Frau des früheren Botschafter, meinte, ganz korrekt sei wohl ein Kleid mit Blumenmuster, trug selbst aber feine Streifen. Ihre Wohnung in London liegt direkt an der Westminster Abbey und hätte auch einen wunderbaren Logenplatz geboten. Christina Rau war mit Mutter gekommen und trug ein glänzendes hellgrünes Cocktailkleid. Als im Fernsehen die britische Nationalhymne ertönte erhob sie sich protokollbewusst mit den anderen Gästen.

"Da träumt man doch wie ein kleines Mädchen", sagte Mietwagenunternehmerin Regine Sixt, die in England über 300 Filialen besitzt. "Wie schön, an diesem Tag hier auf englischem Boden zu sein." Die Hochzeitstorte war mehrstöckig und genauso wie im Buckingham Palast, versicherte der Botschafter: Mit schottischer Distel, walisischer Osterglocke, englischer Rose und nordirischem Klee. Seine Frau Olivia durfte sie, wie bei der eigenen Hochzeit, anschneiden. Rita Schmollinger hatte die Teilnahme über den Tagesspiegel-Online-Wettbewerb gewonnen und wurde zusammen mit ihrer Begleiterin Christel Keilonat vom Botschafter als VIP-Gast begrüßt. Sie genoss die ungewohnte Atmosphäre: "Ich wollte schon immer mal die Britische Botschaft von innen kennenlernen." Mit dabei auch das britische Künstlerduo Gilbert und George: "Das hat doch mehr Glamour als ein Präsident, der alle paar Jahre wechselt", sagten sie stolz. Auch Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk und Italiens Botschafter Michele Valensise fanden die Zeremonie so schön wie die Braut.

Der Direktor des Großbritannien-Zentrums der Humboldt-Universität, Gerhard Dannemann, immerhin zeigte die gebotene Nüchternheit. Es handele sich nicht um die älteste Monarchie, da es im 17. Jahrhundert eine republikanische Unterbrechung gegeben habe, befand er. Er selber hätte sich die Zeremonie ohne die freundliche Einladung des Botschafters wohl nicht angesehen. "Ich schaue mir lieber den Ein- und Auszug aus Downingstreet No. 10 an, weil da die Macht wechselt." Die Macht der Bilder immerhin gehörte an diesem Tag den Royals, und der Botschafter wurde gefragt, ob die britischen Royals nicht längst eine europäische Dimension erreicht hätten. Irlands Botschafter Dan Mulhall war ebenfalls gekommen. Bei ihm zu Hause sei das Interesse vielleicht nicht ganz so groß wie in Deutschland, aber schon auch vorhanden. Immerhin wird die Queen in seinem Land Mitte Mai zum ersten Staatsbesuch seit 100 Jahren erwartet und der Friedensprozess mit Nordirland verlaufe erfolgreich.

Die deutsche Begeisterung für die Königliche Hochzeit wurde immer wieder erwähnt. "Deutschland ist heute ein Teil Großbritanniens", sagte der Botschafter. Am Ende der Zeremonie zog er sich einen weißen Schutzanzug über und sprühte gemeinsam mit dem Street Art Künstler Oliver Kray "Just Married" auf ein Poster des Hochzeitspaares, das noch einige Tage außen an der Botschaft in der Wilhelmstraße zu sehen sein wird.

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