Welt : Blair-Sohn Leo sollte entführt werden

Militante Väter wollten Aufmerksamkeit erregen

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„Neuestes von Blair-Entführung“, verkündeten die Werbeplakate der fliegenden Zeitungshändler in London. Auf dem Titelfoto der Boulevardzeitung „Sun“ hielt Blair den etwas weinerlichen 5-jährigen Leo wie einen wiedergefundenen Schatz hoch. Aber es war, gottlob, nichts passiert. „Niemand wurde entführt und niemand verhaftet“, versicherte Scotland Yard, nachdem die „Sun“ gestern „weltexklusiv“ die Nachricht von einem Plan verbreitete, Blairs jüngsten Sohn Leo zu kidnappen. Als hätte die Polizei nicht genug mit Terroristen zu tun, musste sie dem Bericht zufolge vor Weihnachten auch noch das geplante Attentat der Vätergruppe „Fathers 4 Justice“ vereiteln.

Bisher war die Gruppe eher durch humorige Aktionen bekannt geworden. Nun wollte eine „Splittergruppe“ offenbar den kleinen Blair eine kurze Weile seiner Freiheit berauben, um dem Premier einen Schreck einzujagen und ihn für eine kurze Weile an ihrem Dauerschicksal teilhaben lassen: „F4J“ sind geschiedene Väter, denen der regelmäßige Zugang zu ihren Kindern verwehrt ist. „Natürlich war Blair besorgt“, zitiert die „Sun“ einen Gewährsmann aus Polizeikreisen, „alle Eltern wären das. Aber wir haben ihm versichert, dass die Polizei die Sache im Griff hat“.

Sicherheitsvorkehrungen für die gesamte Blair-Familie bis hinauf zu dem 21-jährigen Euan wurden noch einmal überprüft. Der älteste macht zurzeit ein Kurzpraktikum bei einer Werbefirma in London. Einige militantere „Väter für Gerechtigkeit“ wurden vor Weihnachten von der Polizeisondereinheit SO13 unter die Lupe genommen. Allerdings glaubt die Polizei nicht, dass diese Übereifrigen das Zeug gehabt hätten, ihren Plan in die Tat umzusetzen. Matt O’Connor, der Begründer der Gruppe, war entsetzt. „Wir wollen Väter mit ihren Kindern zusammenführen, nicht sie voneinander trennen“, sagte der 38-jährige geschiedene Vater. „F4J“ machten zum ersten Mal Schlagzeilen, als der als „Spiderman“ verkleidete Dave Chick 2003 einen 40-Meter-Kran neben der Towerbridge erklomm und mit einem Plakat Menschenrechte für Väter forderte. Trotz Gerichtsbeschlusses verwehrte ihm seine Exfrau den Zugang zu seiner Tochter. Der Verkehr in halb London kam zum Stehen. Weltberühmt wurde die Gruppe, als ein „Spiderman“ die Fassade des Buckingham Palasts erklomm und sich mehrere Stunden an einer Regenrinne festkettete. Die kühnste Aktion: die Mehlattacke auf Blair während einer Unterhausdebatte.

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