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Bodenfelde : Mord an Jugendlichen war kein Sexualdelikt

Der Mord an zwei Jugendlichen hat Bodenfelde in Angst und Schrecken versetzt. Die Obduktion ergab: Es war kein Sexualmord. Die Menschen hoffen nach der Festnahme eines Tatverdächtigen nun auf schnelle Aufklärung.

Dirk Schmaler
Ein Rest Flatterband der Polizei nahe des Tatortes in Bodenfelde.
Ein Rest Flatterband der Polizei nahe des Tatortes in Bodenfelde.Foto: dpa

Noch weiß man nicht viel über den Tatverdächtigen. Nicht einmal, ob wirklich er es war, der die beiden Teenager in der Nacht zu Sonntag ermordet und am Dorfrand arg geschunden liegen gelassen hat. Und doch macht sich Erleichterung in Bodenfelde breit nach den Tagen der Trauer. Und nach Tagen der Angst davor, der Mörder könnte schon bald noch einmal zuschlagen in dem kleinen etwas trostlosen Dorf an der deutschen Märchenstraße, 40 Kilometer von Göttingen entfernt. Denn die Polizei hat am Dienstag bekannt gegeben, dass sie einen Verdächtigen festgenommen hat. Der mysteriöse Doppelmord von Bodenfelde steht womöglich kurz vor der Aufklärung.

„Wir haben mehrere Hinweise, die alle in die gleiche Richtung führen“, sagte ein Polizeisprecher. Noch in der Nacht wurde ein Mann am Bahnhof in der wenige Kilometer von Bodenfelde entfernten Kleinstadt Uslar festgenommen, wie die Ermittler bestätigten. Bei dem Verdächtigen soll es sich um einen Drogensüchtigen handeln, der einmal in einer Therapieeinrichtung in der Nähe des Tatortes in Behandlung war. Er soll in der Region wohnen. Die Ermittler bestätigten entsprechende Berichte jedoch nicht. Sie berichteten lediglich allgemein, dass sie ehemalige Insassen von Therapieeinrichtungen unter die Lupe genommen hätten.

Außerdem ist nach der Obduktion der Leichen klar: Anders als zunächst gedacht, sind die Getöteten, Nina und Tobias, 14 und 13 Jahre alt, wohl nicht Opfer einer Sexualstraftat geworden. „Wir machen das öffentlich, auch um die Bevölkerung zu beruhigen“, sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner am Dienstag. Zunächst hatten die Ermittler ein Sexualverbrechen vermutet, weil beide Teenagerleichen teilweise entkleidet an dem kleinen Bach am Ortsrand gefunden wurden.

Eine wichtige Rolle spielt nach Polizeiangaben ein Mobiltelefon, das die Ermittler am Fundort der Leichen sichergestellt hatten. Die Polizei wollte allerdings nicht sagen, ob es sich um das Handy des Täters handelte. „Hier überschlagen sich die Ereignisse, wir müssen nun erst zu Ende ermitteln“, sagte ein Sprecher. Hierfür müsse zunächst das Alibi des Tatverdächtigen überprüft werden. Anschließend sollte er noch am Abend dem Haftrichter vorgeführt werden. Für Mittwochvormittag haben die Behörden eine Pressekonferenz angesetzt. Man hoffe, es sei „die letzte im Fall Bodenfelde“, hieß es.

Die Schüler an der IGS Bodenfelde und deren Eltern reagieren trotz der spärlichen Informationen erleichtert auf die Fortschritte bei der Tätersuche. „Ich hatte keine ruhige Minute, wenn meine Tochter nicht bei mir ist“, sagt eine Mutter, als sie ihr Kind am Mittag vor der Schule in Empfang nimmt. „Hoffentlich haben sie ihn geschnappt.“ Die vielen Streifenwagen, die am Montag noch die Schule der Opfer bewachten, sind da, wie auch anderswo im Ort, längst verschwunden. Vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass sich die Beamten ziemlich sicher sind, dass sie den Richtigen gefunden haben.

Auch am Fundort der Leichen haben nach drei Tagen Ausnahmezustand die Aufräumarbeiten begonnen. Die Polizeieinheiten sind abgerückt, Walter Münder, der Besitzer des Waldstücks am Mühlenbach, inspiziert am Dienstag sein Grundstück. „Die haben mich hier ja seit Sonntag nicht mehr raufgelassen“, sagt der 76-Jährige. Er räumt die zurückgelassenen Absperrbänder der Polizei weg, geht allein durch den kleinen Wald. Vorsichtshalber hat sich der rüstige Rentner mit einer Mistforke und einem Schraubenschlüssel bewaffnet. „Man weiß ja nie so genau.“ Es sieht so aus, als könnte sich das schon bald ändern.

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