Bombardier-Flugzeuge : Wie sicher ist Köhlers Maschine?

Nach mehreren Bruchlandungen von Bombardier-Flugzeugen macht sich Besorgnis breit. Denn auch der Bundespräsident fliegt mit Maschinen des kanadischen Herstellers.

Rainer W. During

Nach mehreren Bruchlandungen und technischen Problemen mit Flugzeugen des Herstellers Bombardier macht sich Besorgnis breit. Jetzt wurde auch bekannt, dass Bundespräsident Horst Köhler am Wochenende zwei Termine verpasste, weil die Challenger-Jets der Bundeswehrflugbereitschaft – wie schon häufig – defekt waren. Auch sie wurden von Bombardier gebaut.

Die Fluggesellschaft SAS hat entschieden, ihre gesamte Flotte von 27 Regionalverkehrsflugzeugen des Typs Dash 8-400 endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. Zuvor hatte es am Sonnabend, wie berichtet, bei der skandinavischen Fluggesellschaft die dritte für die Passagiere glimpflich verlaufene Bruchlandung einer Maschine dieses Typs binnen sieben Wochen gegeben. Zwischen der SAS und dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier kam es zu einer heftigen Kontroverse. Das Vertrauen in das auch als Q400 bezeichnete Flugzeugmuster habe sich beträchtlich verringert, und die Passagiere hätten zunehmend Bedenken, damit zu fliegen, sagte SAS-Präsident Mats Jansson. Auch gestern mussten 67 Flüge abgesagt werden. SAS bezifferte die Kosten für die Ausfälle und das notwendige Chartern von Ersatzflugzeugen auf bis zu rund 43 Millionen Euro und kündigte Schadensersatzansprüche gegenüber Bombardier an. Nachdem bei zwei Landungen das Hauptfahrwerk versagt hatte, waren im September weltweit knapp 90 ältere Exemplare des Propellerflugzeugs mit einem vorübergehenden Startverbot belegt worden. Als Unfallursache wurde Korrosion im Feststellmechanismus ermittelt. Nach gründlicher Inspektion und dem Austausch kritischer Bauteile waren die Maschinen erst Anfang Oktober in den Liniendienst zurückgekehrt. Am Samstag musste dann in Kopenhagen erneut eine Dash 8-400 mit blockiertem rechten Hauptfahrwerk notlanden. Man sei „enttäuscht“ über die Entscheidung der SAS, hieß es beim Flugzeughersteller Bombardier. Bisher sehe man keinen Zusammenhang des jüngsten Vorfalls mit den vorangegangenen Unfällen. Eine gemeinsame Untersuchung mit dem Hersteller Goodrich habe die Sicherheit des Fahrwerks bestätigt. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA äußerte sich gestern besorgt über den erneuten Vorfall und dessen mögliche Verbindung zu den vorangegangenen Notlandungen.

Bisher sind keine weiteren Airlines der Entscheidung der SAS gefolgt. Bombardier hat den weltweit 22 Betreibern des Modells eine uneingeschränkte Fortsetzung des Flugbetriebes empfohlen. Auch beim einzigen deutschen Betreiber der Dash 8-400, den im Team Lufthansa tätigen Augsburg Airways, glaubt man weiter an die Sicherheit des Modells. Die Gesellschaft war im September selbst betroffen. Bei der Landung einer Maschine in München versagte das Bugfahrwerk. Die „rein mechanische Ursache“ steht mit den anderen Vorfällen in keinem Zusammenhang, so Firmensprecher Huber. Bei der Lufthansa hieß es, man erwarte von den Partnern ein hohes Maß an Sicherheit und verlasse sich auf deren Entscheidungen.

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