Welt : Bombenattrappe auf Schloss Windsor

Die Serie von Pannen vor der Hochzeit von Prinz Charles und Camilla Parker Bowles geht weiter: 72 Stunden, bevor das Brautpaar den kirchlichen Segen auf Schloss Windsor bekommen soll, haben zwei Journalisten dort problemlos eine Bombenattrappe einschleusen können.

London (07.4.2005, 14:17 Uhr) - «Es war absurd einfach», beschrieb Reporter Alex Peake von der «Sun» am Donnerstag die Überwindung der Sicherheitsvorkehrungen am Schloss. Scotland Yard-Chef Sir Ian Blair ordnete umgehend eine Untersuchung an. Ein Sprecher der Londoner Polizei sagte: «Dieser offensichtliche Bruch der Sicherheit auf Schloss Windsor im Vorfeld der königlichen Hochzeit gibt Anlass zu ernster Sorge.»

Peake und der Fotograf Gary Stone waren als Lieferwagenfahrer verkleidet und mit einem plump gefälschten Lieferschein für elektronisches Gerät ausgestattet zum Schloss der Queen gefahren. Obwohl sie keinen zwingend vorgeschriebenen Sicherheitspass besaßen und auch nicht vorher angemeldet waren, wurden sie von den Sicherheitskräften auf das Schlossgelände gelassen. Ihr Fahrzeug sei nicht einmal durchsucht worden, hieß es weiter. Dabei befand sich im Laderaum ein braunes Paket mit der deutlichen Aufschrift «Bombe».

Mit dem Wagen fuhren sie nach den Angaben ungehindert auch an zu Schloss Windsor gehörenden St. George's Kapelle vorbei, wo Charles und Camilla an diesem Samstag vor mehr als 700 Gästen den kirchlichen Segen erhalten sollen. Die Journalisten gelangten dann nach eigenen Angaben bis zur Zufahrt zu den Privatgemächern der Queen, die sich zur Zeit des Vorfalls sogar auf dem Schloss aufhielt. «Unser Team hätte eine 50 Kilogramm schwere Bombe zünden können», hieß es in der «Sun».

Das Königshaus selbst äußerte sich wortkarg zu dem Vorfall. «Die Sicherheit ist Angelegenheit der Polizei, die um eine Untersuchung gebeten wurde», sagte eine Sprecherin des Buckingham Palastes. Eine ranghohe Quelle aus Schloss Windsor wurde gegenüber der Boulevardzeitung selbst deutlicher: «Ich kann das einfach nicht glauben.» Tatsächlich ist die Sicherheitspanne nicht nur wegen der zeitlichen Nähe zur königlichen Hochzeit besonders pikant, sondern auch, weil das Sicherheitssystem nach eine Reihe von ähnlichen Vorfällen erst im vergangenen Jahr für mehrere Millionen Pfund aufgerüstet worden war.

Trotzdem waren bereits am vergangenen Wochenende zwei Touristen bis unter das Schlafzimmerfenster der Queen gelangt. Aber auch schon vorher gab es gravierende Pannen bei der Sicherheit für die königliche Familie. Im Juni 2003 etwa war der als Terrorchef Osama bin Laden verkleidete Komiker Aaron Barschak zu einer Geburtstagsparty von Prinz William auf Windsor vorgedrungen. Nur wenige Monate später verschaffte sich ein Journalist mit einem gefälschten Zeugnis eine Anstellung als Diener im Buckingham Palast mit ungehindertem Zugang zu allen Räumlichkeiten, als dort gerade US- Präsident George W. Bush zu einem Staatsbesuch weilte.

Barschak hatte nach seinem «Auftritt» damals gesagt, was offensichtlich auch noch vor der Hochzeit von Charles und Camilla gilt: «Die königliche Sicherheit ist nicht das, wofür ich sie gehalten habe.» (Von Jörg Berendsmeier, dpa)

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