Welt : Chaos auf den Straßen

Ein vorweihnachtliches Schneechaos hat Hunderttausende Reisende über Nacht im Stau in ihren Autos festgehalten. Schnee und Eis sorgten seit Freitagabend im Süden, Osten und Westen Deutschlands für katastrophale Zustände auf den Straßen. Polizeibeamte in Bayern sprachen am Samstag von "Mega-Staus". Auf der Autobahn 9 zwischen Nürnberg und Hof stockte der Verkehr zeitweise auf rund 150 Kilometern. Auch in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen saßen viele Reisende, die häufig in den Weihnachtsurlaub wollten, bei eisiger Kälte in ihren Wagen fest. Allein in Berlin zählte die Polizei auf den winterlichen Straßen 640 Unfälle.

In Bayreuth und Kulmbach lösten die Behörden Katastrophenalarm aus. Auf der A 9 (Nürnberg-Berlin), die von vielen Pendlern genutzt wird, mussten bis zu 100 000 Menschen die Nacht in ihren Autos verbringen. Teilweise kamen selbst Räumfahrzeuge nicht mehr durch, weil alle Spuren blockiert waren. In Bayern und Sachsen wurden Notunterkünfte errichtet. Im Bereich Siegen/Freudenberg (Nordrhein-Westfalen) kam der Verkehr nach heftigen Schneefällen für rund 15 Stunden zum Erliegen. Tausende von Menschen wurden in der Nacht vom Roten Kreuz und der Feuerwehr mit Tee, Decken und Würstchen versorgt, bis es morgens allmählich wieder voran ging. Die Helfer hatten mehrere Kinder mit Unterkühlungen ins Krankenhaus gebracht.

"Bei den chaotischen Verhältnissen auf den Autobahnen sollten die Autofahrer den Urlaubsantritt auf Montag verschieben", sagte ein ADAC-Sprecher am Samstag. Ob sich die Straßenverhältnisse in den nächsten Tagen wesentlich bessern, sei ungewiss.

Während sich die Lage in Thüringen entspannte, herrschte in Hessen und Rheinland-Pfalz auch am Samstagvormittag ortsweise noch Chaos. Auf der Autobahn 3 standen die Autofahrer in Richtung Frankfurt zwischen dem Siebengebirge und dem Dreieck Dernbach immer noch in einem 40 Kilometer langen Stau. Die Autobahn 45 wurde am Samstagmorgen ab Herborn in Richtung Norden gesperrt, um den dortigen 30 Kilometer langen Stau wegen quer stehender Lastwagen im Raum Siegen aufzulösen. Von der Polizei in Gießen hieß es: "Nur wer wirklich ganz dringend fahren muss, sollte sich auf den Weg machen."

Die Autofahrer reagierten auf das Schneechaos frustriert und verängstigt. Einige nahmen die unfreiwilligen Stopps auch gelassen und veranstalteten auf den rutschigen Straßen Schneeballschlachten oder bauten Schneemänner. Schlimm erwischte es den 24-jährigen Christian Kiebak und seine Arbeitskollegen auf der A 9: Ihr Auto blieb bereits am Freitagabend gegen 18 Uhr kurz vor Bayreuth im Schnee stecken. Nach einer kalten Nacht mussten sich die Männer selbst Samstagmittag noch in Geduld üben - es ging nur meterweise voran. "Das ist unzumutbar", berichtete Kiebak aus Saalfeld in Thüringen. Sein Glück: Der Wagen war vollgetankt. "Wir lassen das Auto oft laufen, um die Heizung anzustellen."

Schnee und Eis führten auch zu Verspätungen bei der Bahn und zu Ausfällen im Flugverkehr: Auf dem Frankfurter Flughafen wurden wegen der heftigen Schneefälle bis zum späten Freitagabend 236 Starts und Landungen gestrichen. Außerdem hatten zahlreiche Flüge Verspätung. Am Samstagmorgen hatte sich die Lage auf dem Flughafen aber normalisiert. Auch in München, Nürnberg und auf dem Flughafen Zürich- Kloten kam es zu Wartezeiten.

Die Lage auf vielen Autobahnen bleibt weiterhin kritisch. Wie die Polizei am Samstagmittag berichtete, war die Situation auf der Autobahn A 45 (Sauerlandlinie) nach Schneefällen weiter gefährlich. Zwischen Haiger-Burbach und Siegen stauten sich die Autos in Richtung Dortmund auf rund 20 Kilometern, sagte ein Polizeisprecher. Die Streufahrzeuge hätten Mühe, durch die Kolonnen der liegen gebliebenen Lastwagen zu kommen. Auch in Hessen konnte die Polizei noch keine Entwarnung geben, weil es in einigen Gebieten wieder zu schneien anfing. Am Frankfurter Flughafen dagegen normalisierte sich der Flugverkehr weitgehend wieder. Die Meteorologen sagten bis Dienstag Schneefälle voraus.

Was der ADAC rät

"Bei diesen chaotischen Verhältnissen sollten Sie Ihren Urlaubsantritt auf Montag verschieben", sagt ADAC-Sprecher Klaus Reindl. "Besonders Fahrten über Schwarzwald, Rhön, Hunsrück und den Bayerischen Wald könnten riskant werden. Wer sich trotzdem auf den Weg macht, sollte regelmäßig Wetter- und Staunachrichten im Radio hören, unbedingt Winterreifen am Auto haben und immer rechtzeitig nachtanken. Ich packe grundsätzlich, auch auf kürzeren Fahrten, eine Mütze ein, außerdem Handschuhe, warme Kleidung und Decken. Das kann die Nacht auf der Autobahn im Notfall erträglicher gestalten. Heißen Tee nicht vergessen. Und Schokolade! Die gibt Kraft und verschmiert bei den Temperaturen auch nicht die Sitzpolster."

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