China : "Nachzügler im All"

Ein großer Schritt für die chinesische Raumfahrt: Zum ersten Mal hat ein Astronaut einen Weltraumspaziergang unternommen. China ist damit hinter den USA und Russland die dritte Nation, die Menschen auf Einsätze außerhalb eines Raumschiffes schicken kann.

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"Hallo Welt!": Rund 340 Kilometer über der Erde wagt Zhai Zhigang als erster chinesischer Astronaut einen Weltraumspaziergang. -Foto: AFP

PekingErstmals hat ein chinesischer Astronaut am Samstag erfolgreich einen Weltraumspaziergang unternommen. Fünf Jahre nach seinem ersten bemannten Raumflug ist China damit nach den USA und Russland die dritte Nation, die Astronauten auf Einsätze außerhalb eines Raumschiffes schicken kann. "Ich fühle mich gut", sagte Kommandeur Zhai Zhigang nach dem Ausstieg aus dem Raumschiff "Shenzhou 7" in 343 Kilometer Höhe über der Erde. "Ich grüße von hier das chinesische Volk und die Menschen in aller Welt." Sein Kollege Liu Boming reichte ihm aus der Luke eine rote chinesische Nationalflagge, die der Astronaut vor der Kamera schwenkte, während das chinesische Milliardenvolk die Live-Übertragung im Fernsehen verfolgte.

"Historischer Sprung in die chinesischen Raumfahrttäume"

Auch wenn der Ausflug ins All bereits der 298. Weltraumspaziergang eines Astronauten seit 1965 war, ist das Manöver ein Meilenstein in dem ehrgeizigen Raumfahrtprogramm des größten Entwicklungslandes der Erde. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Olympischen Spiele sah die die kommunistische Propaganda in dem Manöver vier Tage vor dem Nationalfeiertag einen Grund mehr "für den Stolz und die Freude des Volkes". Es sei ein Beweis für die "fortschrittlichen technischen Fähigkeiten der Nation", kommentierte das Parteiorgan "Renmin Ribao" (Volkszeitung). Der "kleine Schritt" des Spaziergängers im All sei "ein historischer Sprung in den chinesischen Raumfahrtträumen".

Auch wenn ein Chinese jetzt "einen Fußabdruck im Universum" hinterlassen habe, dürfe gleichwohl der Abstand zu den USA und Russland aber nicht übersehen werden, mahnte das Parteiorgan zur Besonnenheit. China sei ein "Nachzügler" im All und stehe erst am Anfang seines Raumprogrammes. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao verfolgte das Manöver vom Kontrollzentrum in Peking aus, wo Applaus ausbrach, als Zhai Zhigang um 10.44 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Raumschiff verließ. Er testete den Raumanzug "Feitian", der nach amtlichen Angaben eine chinesische Eigenentwicklung sein soll.

"Bilderbuchspaziergang"

Der Raumanzug ist nach einer buddhistischen Göttin benannt, sein Name kann mit "am Himmel fliegen" übersetzt werden. Sein Kollege Liu Boming, der nur einmal halb aus der Luke herauskam, trug dagegen das russische Modell "Orlan". Er assistierte seinem Kollegen, hätte ihm aber auch im Notfall zu Hilfe kommen können. Kommandeur Zhai Zhigang sammelte bei seinem kurzen Ausflug ins All einige Materialproben ein, die außen am Raumschiff angebracht waren. Kommentatoren im Staatsfernsehen sprachen begeistert von einem "Bilderbuch-Spaziergang" und einem "atemberaubenden Moment".

Der erfolgreiche Außenbordeinsatz ist eine wichtige Voraussetzung für den geplanten Bau eines Raumlabors oder einer ständigen Raumstation. Kritische Phasen waren jeweils der Moment, als die Luft und der Druck aus dem Orbiter abgelassen und nach dem Spaziergang wieder aufgebaut wurde. Der Astronaut musste auch aufpassen, nicht die Dichtung der Luke zu beschädigen. Außen am Raumschiff war Zhai Zhigang mit zwei Leinen gesichert und wurde über einen Schlauch mit Sauerstoff versorgt, während er sich am Raumschiff entlang hangelte. Nach dem erfolgreichen Manöver wird "Shenzhou 7" am Sonntag wieder auf der Erde erwartet. Die Fähre soll zum Abschluss ihres dreitägigen Fluges in der Inneren Mongolei landen. (nal/dpa)

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