Welt : China: Vor Flut Geflüchtete sollen in Höhlen wohnen

HARALD MAASS

PEKING .Bei der Hochwasserkatastrophe in China sind offiziellen Angaben zufolge bisher mehr als 3000 Menschen ums Leben gekommen.Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch in Peking mitteilte, starben in den vergangenen zwei Monaten 3004 Menschen durch die Fluten, davon 1320 am Jangtse.Bisher hatte die chinesische Regierung wochenlang nur von 2000 Toten gesprochen und sich geweigert, diese Zahl zu aktualisieren.Beobachter gehen davon aus, daß die Zahl der Todesopfer erheblich höher ist.

Die Hilfsmannschaften wenden sich nun verstärkt den Opfern zu.Hunderttausende Menschen, die in den Überschwemmungen ihre Häuser verloren haben, müssen weiter ohne Zelte und ausreichende Kleidung im Freien übernachten.Allein in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang seien 500 000 Menschen ohne Unterkunft, berichtet die offizielle Zeitung "China Daily".Nachts seien die Temperaturen in diesem Gebiet auf zehn Grad Celsius abgesunken.Als Vorbereitung auf den Winter würde man nun Höhlen für die obdachlos gewordenen Menschen ausbaggern, sagte der Vize-Governeur von Heilongjiang, Ma Shujie.

Insgesamt sei eine Fläche von 21 Millionen Hektar Land überschwemmt worden, hieß es weiter.Der wirtschaftliche Schaden werde auf umgerechnet rund 37 Milliarden Mark geschätzt.Etwa ein Fünftel der chinesischen Bevölkerung, rund 223 Millionen Menschen in 29 Provinzen, sei von den Hochwassern betroffen.Fünf Millionen Häuser seien zerstört.

Entlang der großen Flüsse entspannte sich die Situation etwas.Sowohl in Wuhan am Jangtse als auch in Harbin am Songhua-Fluß sei die Situation "unter Kontrolle", berichteten Hilfsmannschaften.Zwar seien die Deiche nach mehr als 60 Tagen Hochwasser an vielen Stellen aufgeweicht.Eine unmittelbare Bedrohung für die Bevölkerung bestehe jedoch nicht.Die Pekinger Regierung warnte dennoch, daß "die Gefahr noch nicht gebannt" sei.Staats- und Parteichef Jiang Zemin wurde von den Staatsmedien mit dem Aufruf an die chinesische Bevölkerung zitiert, "bis zum Tod" gegen die Fluten zu kämpfen.

Mehr als 170 000 Soldaten waren am Mittwoch entlang der Deiche im Einsatz.In der Inneren Mongolei wurde wegen des Hochwassers der Schulbeginn in der nächsten Woche für 70 000 Schüler verschoben.Um gegen aufkommende Seuchen anzukämpfen, wurden 320 Ärzte in das Flutgebiet im Nordosten geflogen.

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