"Christian" : Der Zugverkehr wird sich erst am Mittwoch normalisieren

Nach dem Sturmtief "Christian" wird sich der Zugverkehr wohl erst an diesem Mittwoch normalisieren. Auf vielen Strecken in Norddeutschland liefen noch die Aufräumarbeiten, sagte ein Bahn-Sprecher am Dienstag.

Carsten Brönstrup
Chaos im Bahnhof Altona.
Chaos im Bahnhof Altona.Foto: dpa

Vielerorts waren Bäume auf die Gleise gestürzt oder abgerissene Äste hatten sich in Oberleitungen verfangen. Die Störung zwischen Berlin und Hamburg war dabei recht schnell behoben. Auch die Verbindung weiter über Puttgarden nach Kopenhagen war am Dienstag wieder verfügbar. Züge nach Westerland, Flensburg und Kiel mussten dagegen noch in den Depots bleiben. Der Orkan „Christian“ hatte in Schleswig-Holstein besonders große Schäden angerichtet. „Zwischen Wilster in Dithmarschen und Husum soll ein ganzer Wald auf den Schienen liegen“, sagte ein Sprecher des Staatskonzerns weiter. Mehr als 1000 Bahn-Beschäftigte waren im Einsatz, unterstützt von Kräften aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen. Auf den freigegebenen Strecken könne es aber noch Verspätungen geben, warnte das Unternehmen.

Nicht genügend Busse für den Ersatzverkehr

Auch in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen gab es Einschränkungen im Regionalverkehr. Ersatzbusse könne man aber nicht überall einsetzen, weil Straßen zum Teil noch nicht wieder befahrbar waren oder es schlicht nicht genug Fahrzeuge gebe, hieß es.

Der Fahrgastverband Pro Bahn gab der oft gescholtenen Krisen-Kommunikation derweil gute Noten. „Angesichts der gravierenden Beeinträchtigungen war das ganz ordentlich“, sagte Sprecher Matthias Oomen. Vor allem über soziale Netzwerke wie Facebook sei die Bahn bemüht gewesen, ihre Kunden auf dem Laufenden zu halten.

Das Thema Bäume ist heikel

Das Thema Bäume ist für die Bahn seit jeher heikel. Kritiker werfen ihr mitunter vor, aus Spargründen nicht mehr intensiv genug das Grün entlang der Strecken zu beschneiden – dies räche sich bei Unwettern und sei zudem nicht ungefährlich. Andererseits muss sie stets mit Protesten von Umweltschützern rechnen, wenn sie zu forsch durchforstet. „Das ist ein schwieriger Spagat“, befand Pro-Bahn-Experte Oomen. Für den Konzern könnte „Christian“ allerdings teuer werden. Erstmals bei einer Naturkatastrophe greift eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs über die Erstattung bei Verspätungen: Selbst wenn höhere Gewalt die Ursache war, muss die Bahn nun zahlen. Bislang waren die Kunden in solchen Fällen auf die Kulanz des Unternehmens angewiesen. Kommt der Zug 60 Minuten später an, muss die Bahn nun 25 Prozent des Fahrpreises erstatten, ab 120 Minuten sogar 50 Prozent. Unklar ist allerdings, wie viele Fahrgäste von den neuen Regeln Gebrauch machen werden – Erfahrungswerte gebe es hier noch nicht, hieß es im Konzern.

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